Jugendliche Vorstellungskraft neigt ja zur Übertreibung. Neulich, in der U-Bahn, bekam ich ein Gespräch zwischen zwei Mädchen mit, beide höchstens 14 Jahre alt. Die Eine zur Anderen: Der Miguel hat sich ja voll auf die Fresse gelegt. Der hat jetzt ein Loch im Kopf! Das andere Mädchen fährt entsetzt mit der Hand zum Mund. Bedächtiges Schweigen. Man sah förmlich dieses gigantisch große Loch vor ihren Augen. Die Eine: Er spielt aber schon wieder Fußball!
Seit ich in diesem Alter war, hat sich hinsichtlich der Übertreibung, nichts geändert. Unsere Schulklasse machte Klassenfahrt in die Jugendherberge nach Plettenberg. Dummerweise hatte diese Jugendherberge gleich vor der Haustüre ein kleinen Hang, der von unseren testosteron gesteuerten Jungs in der Klasse sofort dazu benutzt wurde, kopfüber hinunter zu rollen. Ergebnis: Jungs mit mehreren Schnittwunden, da Glasscherben am Hang, Hautabschürfungen und diversen Prellungen. Solch derbe Spielereien sollte den Mut der Jungs beweisen, waren aber schon damals nichts für mich. Ohne Blessuren überstand ich zumindest die ersten drei Tage. Beim “Fangen” spielen mit dem anderen Geschlecht, ja damals musste ich halt noch Interesse vorgaukeln, wurde ich etwas übermütig und sprang auf eine kleine Mauer wobei ich im selben Augenblick das Gleichgewicht verlor und rückwärts mit dem Hinterkopf gegen eine Wand knallte. Sofort eingeleitete Hilfsmaßnahmen der entsetzten Lehrer führten dazu, dass ich ein überdimensionales Pflaster auf den Kopf bekam. Sah höchst dramatisch aus, letztendlich hatte ich aber nur einen kleinen Kratzer davon getragen. Jedoch in der Jugendherberge war ich nun der Typ mit dem “Loch im Kopf”! Ruhm und Ehre, bei beiden Geschlechtern, begleiteten mich noch wenigstens zwei Tage, bis sich ein Klassenkamerad dann das Handgelenk brach.
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