Die Magie der vollkommenen Form – Die Jahrhunderthalle in Breslau

jhh2 Bei unserem Wroclaw/Breslau Besuch stand auch die Besichtigung der Jahrhundert-

halle auf dem Programm. Diese architektonisch einzigartige Halle wurde  von 1911 bis 1913 von Max Berg errichtet und 2006 in die Liste des Weltkulturerbe aufgenommen. Gebaut wurde der damals weltgrößte Kuppelbau aus Eisenbeton als Ausstellungs- und Festhalle zur Hundertjahrfeier der Befreiung von der napoleonischen Herrschaft. Schon von außen bietet das Gebäude eine sehr schöne Ansicht. Stufenartig wächst das Dach in die Höhe. Man ahnt welche Dimension der Innenbau haben muss. Durch einen Gang kommt man direkt in die Halle und es verschlägt einem den Atem beim Anblick der gigantischen Kuppel. Meine Eindrücke wechselten vom Staunen über die Tragfähigkeit von Eisenbeton hin zu dem gigantischem Anblick von schierem Raum.

Wirklich erstaunlich ist, dass vor fast einhundert Jahren bereits solch eine Konstruktion möglich war. Einerseits aus statischen Gründen. 127.000 Kubikmeter überwölbte Leere, 42 Meter hoch und 65 Meter Spannweite waren damals absolutes Neuland und vier mal hatten Statiker die Berechnungen überprüft, noch nie zuvor war ein so riesiger Raum mit dem wenig erprobten Eisenbeton überwölbt worden. Andererseits weil Ornament, also Verschnörkelung an und vor allem in diesem Gebäude komplett fehlt. Die Halle markiert mit ihrer sachlichen Konstruktion somit den Abschied vom Formenreichtum des Historismus. Spötter nannten sie damals “Pappschachtel”. In einer der vier Apsiden war auch noch die weltgrößte Orgel eingebaut!

Die Halle besitzt 6.000 Plätze, bei Verwendung von Stehplätzen fasst sie fast 20.000 Personen. Obwohl die Bestuhlung äußerst eng ist hat man von überall einen fantastischen Blick und die Akustik ist bemerkenswert! In der Mitte der Halle entsteht ein ehrfurchtsvolles Raumgefühl, hier zeigt sich monumental wie die Form der Funktion folgt. Man fühlt sich tatsächlich geborgen aber auch verloren!

Hinter der Halle verläuft die geschwungene Pergola mit 750! Säulen. Sie umschließt einen künstlichen See in dem Wasserspiele installiert sind. Hier verweilt man gerne, man hat einen wunderschönen Blick auf die Halle. Vor der Halle steht die 90 Meter hohe Iglica, ein nadelförmiges Stahl-Bauwerk, als Zeichen der wiedergewonnenen polnischen Freiheit.

Es gibt auch einen Film aus der Reihe “Schätze der Welt” über die Jahrhunderthalle. Teil 1 hier und Teil 2 hier.

Wenn Sie einmal hinein schauen wollen:

Kategorie(n): Antiteilchen empfiehlt, News, Unterwegs

3 Antworten auf Die Magie der vollkommenen Form – Die Jahrhunderthalle in Breslau

  1. Sehr beeindruckend. Und wie das immer so ist, wird es bei einer persönlichen Inaugenscheinnahme noch viel beeindruckender sein als die Fotos es wiedergeben können.

    antiteilchen sagt:

    Soviel Raumgefühl kann man gar nicht ablichten. :)

  2. Wow, das ist wirklich mal ein beeindruckendes Gebäude. Da ich gerade plane, demnächst mal nach Breslau zu fahren, werde ich mir die wohl auch mal merken. Auch Deine Fotos gefallen mir. :-)

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