Für alles gibt es ein erstes Mal. So auch für den ersten Kontakt meinerseits mit Pornos. Davon möchte ich heute berichten.
Vor vielen Monden, ich war damals 16 Jahre alt, machte ich mich mit einem Interrail-Ticket auf den Weg in die große weite Welt, die für mich damals, ob meines kleinen Geldbeutels, nur aus Europa bestand. Interrail war und ist eine Zug-Fahrkarte mit der man in ganz Europa 1 Monat lang herumfahren kann. Früher günstiger und besser. Heute ist alles in Zonen aufgeteilt und der Preis ist explodiert. Damals jedenfalls, führte mich mein Weg auch in die schöne Stadt Wien. Mit großem Rucksack auf dem Rücken, vom Südbahnhof kommend, ging ich die Argentinierstraße herunter und blieb an einem kleinen Laden hängen, der in den Schaufenstern Unmengen an MAD-Heften ausliegen hatte. Ich war damals ein begeisteter Leser dieses merkwürdigen Magazins. Ich ging in den Laden und schaute mich um, bis mich, nach geraumer Zeit, der freundliche Herr hinter der Theke ansprach. Für mich war er damals uralt, also so um die 40. Ob ich mir mal etwas anderes anschauen mag, fragte er mich im breitesten Wienerisch. Etwas anderes ansehen? Ich verstand nicht sofort was er meinte, jedoch als er einen schweren braunen Vorhang beiseite zog, der mir schon vorher aufgefallen war, sah ich einen weiteren Raum. Ich grinste breit und schritt hinein.
Oh Wunder was ich erblickte. Pornohefte! Schwule Pornohefte! Nun ja heute würde man sagen eher harmlose Heftchen mit nackten Männern drin, also kein Hardcore. Ich, völlig unbedarft in diesen Dingen, schwebte im siebten Himmel! Hatte ich doch erst vor kurzem mir eingestanden, dass ich mehr auf Männer stehe als auf Frauen. Nun war ich hoch erfreut, was ich in diesem Raum zu sehen bekam! Es waren Männer nackt beim Angeln, Männer nackt beim Radeln, Männer nackt beim was weiß ich nicht alles. Nur nicht Männer mit Männern beim Sie wissen schon was ich meine. Mein Augenmerk fiel auf ein Heftchen mit äußerst attraktiven Cowboys die natürlich nackt auf Pferden ritten! Sehr erotisch, also die Männer. Verschämt errötet und mit pochendem Herzen ging ich mit dem Heftchen an die Kasse und legte viele teure Schillinge auf die Theke. Der Mann dahinter lächelte verständnisvoll und legte nach. Magst vielleicht auch mal einen Film schauen? Ich hatte nun das Gefühl, mein Kopf sei ein roter heißer Ballon. Jetzt auch noch nackte lebende Bilder. Ich nickte verschämt. War ich im Paradies gelandet? Hinter der Theke war ein kleiner Raum mit einer Wendeltreppe unter der eine kleine Leinwand aufgebaut war. Davor ein Sessel, in den ich mich setzte. Dahinter, leicht erhöht, ein Super 8 Filmprojektor. Ich war extrem nervös und gespannt was da kommen sollte. Der Mann fummelte am Gerät herum und es ratterte los.
Mein erster Gedanke: Ach, es ist mit Ton! Die Titelmusik erinnerte mich ein wenig an Love Boat, der damaligen amerikanische Urfassung vom Traumschiff. Der Film schien auch auf einem Schiff zu spielen. Allerdings, als der Filmtitel eingeblendet wurde, war es vorbei mit der Nervosität. Er hieß: Der Lederbaron
Schlagartig verging mir die Lust. Schon die ersten Bilder im Film entsetzten mein damals noch zartes Gemüt. Sehr alter Mann in schweres Leder gequetscht, verführt gerade noch gut aussehende junge Matrosen auf seiner Yacht. Mehr als 10 Minuten schaffte ich nicht, stand auf, ging zu Theke, bedankte mich artig und verließ eiligst das Geschäft. Anstalten mich anzubaggern machte der Herr hinter der Theke nicht. Das war er also, mein erster Porno. Was für ein Reinfall! Für mehrere Jahre war für mich dieses Film-Genre völlig uninteressant geworden.
Mit dem sexy Cowboy-Heftchen hatte ich später noch ein Problem. Ich fuhr mit dem Zug an Frankreichs Küste entlang und wollte hinüber nach England. Vor dem Übersetzen von Calais nach Dover mit dem schicken aber grauenhaft lauten Hovercraft, erzählte man mir, die Zöllner würden das Gepäck durchsuchen. Ich, voller Panik, dachte an das Schmuddel-Heftchen im Rucksack und überlegte wohin damit. Nicht auszudenken wie peinlich der Moment, wo man es aus meinem Rucksack ziehen würde. Wegwerfen wollte ich die sündhaft teure Anschaffung nun auch nicht gleich wieder. Also suchte ich eine Stelle an der ich das Magazin verstecken könnte. Unter der Landungsbrücke! Genau, wenn ich wieder komme hole ich es einfach wieder ab. Gesagt getan nach 5 Tagen Großbritannien war ich zurück an der Landungsbrücke, jedoch oh weh, mein Heftchen war fort. Erst jetzt dämmerte es mir, dass es ja Ebbe und Flut gibt! Bei Ebbe versteckt, bei Flut war´s weg.
Hast auch Du ein erstes Erlebnis mit Pornografie? Mich würde Deine Geschichte interessieren ;-)




was für eine lustige geschichte.
als ödön von horvath traurigerweise in paris von einem herabfallenden ast erschlagen wurde, soll man in der aktentasche, die er dabei hatte zündholzbriefchen mit literarischen notizen gefunden haben und…. ein pornoheft.
Danke ;-)
Vielleicht hatte er es nur zur Recherche dabei :-)
Wow. Du kannst wirklich toll schreiben, vom ersten Satz an war ich gefesselt mit der Story, bis zum Schluss.
Klar könnte ich von meinem ersten Kontakt mit Pornografie erzählen, aber leider nicht so gut wie du und leider ist meine Story auch nicht so spannend wie deine. ^-^
Gruss Julian
Vielen Dank Julian ;-)
Schade das du nichts erzählen magst.
Obwohl ich schwul bin, war meine erste Porno-Erfahrung eine mit Hetenpornos. Ich muss damals 13 oder 14 gewesen sein und entdeckte bei meinen Eltern im Schlafzimmer ein Pornoheftchen. Hardcore.
Ich sah darin meine Chance, bei meinen Mitschülern, bei denen ich ziemlich unbeliebt war, Coolnesspunkte zu kassieren (und jeden Verdacht, ich könnte schwul sein, zu zerstreuen) und nahm es mit in die Schule. Natürlich fiel es einem Lehrer in die Hand, wurde konfisziert und meine Eltern in die Schule bestellt. Ich zitterte vor dem schlimmsten Donnerwetter meines Lebens – aber merkwürdigerweise blieb es aus und das Thema wurde nie wieder angesprochen… ;)
Wirklich gewagt es mit in die Schule zu nehmen!
Und kein Wunder das es nicht zum Krach kam, wäre ja auch zu peinlich gewesen ;-)
Wie?
Damals gab es doch noch die Praline mit der beliebten Rubrik “Adam & Eva”.
Kennt ihr das nicht? Aus heutiger Sicht prollige Schnauzbartträger (auf die Frauen hab ich nicht geachtet, sorry). Ausgeschnitten + mit den Unterhosenseiten des Otto-Kataloges hatte ich mit allen zusammen eine feucht-fröhliche Kindheit …
Etwas später entdeckte ich im Nachttisch meines Vaters
“Emanuelle – im Garten der Lust”.
Komisch, dass er nie nachgefragt hat, wo es denn abgeblieben sei…
herrliche Geschichte. Somit hatte ich heute das erste Mal ein Lächeln auf den Lippen. (laut lachen ging nicht, mein Chef sitzt mir gerade gegenüber).
@fsc-berlin
Ich kenne nur die “Wochenend” :-) und “Im Garten der Lust” ist ein toller Titel!
@Oliver
Danke ;-)