Oh Maria

Maria Stuart, Königin von Schottland verlor heute Abend in Potsdam ihren Kopf und ich habe es jetzt schwer im Nacken, aber dazu später. Wir sind wohl in die Kindervorstellung des Hans-Otto-Theaters geraten, denn große Teile des Publikums war nicht nur von der Alterstruktur her eher ein Kindergarten, sondern auch vom Verhalten. Viele Jugendliche haben das Stück einfach nicht verstanden, lachten und kicherten an den falschen Stellen. Gleich neben mir ein Backfisch, der es vorzog, das nach der Pause mitgenommene Informationsmaterial genüßlich zu lesen und sehr laut durchzublättern. Andere wiederum beschäftigten sich derweil lautstark mit ihren Brillenetuis.Wenn sie kein Interesse am Stück hatten, warum waren sie dann nach der Pause noch im Saal? Zwang? War uns vielleicht nicht aufgefallen das hier mehrere Schulklassen anwesend waren und sie bleiben mussten? Zu allem Übel hatte ich natürlich wieder den größten Kopf im Saal genau vor mir. Ich habe immer so ein Glück! Dieser riesige Kopf wackelte dann auch ständig hin und her und ich habe es mir da eben schwer im Nacken geholt.

Höhepunkt des mich arg verstörenden Publikums, der Moment, wo Mortimer, erfrischend gespielt von  Ulrich Rechenbach, vermeintlicher Retter Marias, den Grafen von Leicester küsst, bevor er sich das Leben nimmt. Ein Raunen und aufgeregtes Geplapper geht durch den Saal, bäh und igitt Rufe erschallen im Gemäuer! Ich bin entsetzt! Mich überkommt das Gefühl, in einem, was das Publikum betrifft, Provinz Theater zu sitzen und nicht in einem Theater einer Landeshauptstadt. Ich drehe mich um ins Publikum und setze den fiesesten Blick auf den ich zu bieten habe! Die, die mich ansehen, schauen pikiert zurück. Wo sind wir hier gelandet?

Zur Aufführung selbst kann ich sagen, solide gemacht. Unterhaltsam, sogar mit sehr starken Momenten, wenn etwa Königin Elisabeth I, beeindruckend gespielt von Katharina Thalbach, Königin Maria, überzeugend gespielt von Anne Lebinsky, persönlich in Augenschein nimmt um zu ergründen was an ihrer viel beschworenen Schönheit denn nun wirklich dran ist. Das geht dann bis zur Brustwarze. Thalbach und Lebinsky sind dann auch die Beiden, die mich mit ihrem Spiel besonders gefesselt haben. Neumodische Inszenierungen liegen uns nicht, wir sind eher für die klassische Darbietung, da muss die Leistung vom Spiel herkommen und nicht von albernen Regie-Mätzchen, wie leider in einer Szene auch in diesem Stück. Zum Glück die Einzige! Mortimer und Maria stürzen ins Publikum und spielen eine zeitlang im Mittelgang. Überflüssig wie ein Kropf! Außerdem hatte ich es eh schon im Nacken!

Neues Hans-Otto-Theater Potsdam

Vorstellungen noch am:
07. Dezember ’08 17 Uhr
11. Dezember ’08 19.30 Uhr
12. Dezember ’08 19.30 Uhr
19. Dezember ’08 19.30 Uhr
10. Januar ’09 19.30 Uhr
26. Januar ’09 19.30 Uhr

Kategorie(n): Antiteilchen empfiehlt, Theater, Unterwegs

5 Antworten auf Oh Maria

  1. Meinst Du, das wäre also nichts, was ich mir kommende Woche, wenn ich bei Euch bin, zu Gemüte führen sollte? Katharina Thalbach würde ich schon gerne mal sehen.
    Freue mich schon auf die Tage bei bzw. mit Euch!

    antiteilchen sagt:

    Gegen das Stück ist nichts einzuwenden, mir ist nur dieses Publikum heftig aufgestoßen. Ich glaube man kann es ruhigen Gewissens empfehlen. Felix wird dich sicherlich auch noch beraten ;-)
    Wir freuen uns auch!!

  2. Ansonsten empfehle ich “Maria Stuart” von Stefan Zweig – lesenswert und nebenbei darf man küssen, wen man will… :)

  3. … eine schöne und erfrischende Rezension von dir, lieber Georg!!!

    Waren denn keine Lehrer dabei, um die pubertierenden Kids zu beruhigen? Wenn ich mit meiner Klasse dort gewesen wäre, hätte ich wahrlich diszipliniert … wenn es denn hilft.

    antiteilchen sagt:

    @r|ob
    Das lese ich mal! Danke für den Hinweis! ;-)

    @Kurth
    Danke!
    Mir sind keine Lehrer aufgefallen. Ich kann mir gut vorstellen wie du diszipliniert hättest ;-)

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