Nicht darin nur daran vorbei
Zeitlich schaffte ich es heute nicht ins neue Neue Museum. Ich kam nur daran vorbei und lichtete schnell drei Eindrücke ab.
Zeitlich schaffte ich es heute nicht ins neue Neue Museum. Ich kam nur daran vorbei und lichtete schnell drei Eindrücke ab.
Thomas Demand (*1964) habe ich ja bereits seit einiger Zeit in der Kunst-Blogroll. Nun führte mich mein Weg an diesem schmudeligen Sonntag in die Neue Nationalgalerie, da dort eine große Werkschau dieses international renommierten deutschen Künstlers noch bis zum 17.01.2010 zu sehen ist. Der Schwerpunkt der 40 Arbeiten liegt auf Deutschland. Was macht Thomas Demand denn nun genau? Er fertigt aus Papier, Karton und Pappe, Modelle detailgetreuer Tatort- und Pressefotos an, die er dann licht-technisch perfekt inszeniert und fotografiert um sie danach wieder zu vernichten. Nur seine Fotos bleiben. Auf diesen verstörenden Fotos sind stets keine Menschen zu sehen. Er dokumentiert unsere Medienwelt, er reproduziert.
Schwere riesige graue Vorhänge teilen das obere Stockwerk der Nationalgalerie in Segmente ein. Drinnen die gut 40 Arbeiten, großformatige Fotografien. Vor- und seitlich der Fotos stehen kleine Tische, in denen Bücher mit Texten von Botho Strauß zu lesen sind. Sie beziehen sich zwar auf die Bilder, erklären sie aber nicht. Was sie auch nicht brauchen, denn bei vielen Fotos erinnere ich mich an das abgebildete Ereignis. So zum Beispiel das Werk “Badezimmer“. Sofort denke ich an das Zeitungsfoto des Niedersächsischen Schleswig-Holsteinischen Ministerpräsidenten Barschel, der tot in der Badewanne des Genfer Hotels Beau-Rivage liegt. Nur hier fehlt Barschel. Ein beeindruckender Moment.
Wenn man sehr dicht an die Fotos heran tritt, erkennt man, das die abgebildeten Objekte alle aus Papier, Karton oder Pappe sind. Ich denke mir, was für ein Aufwand. Bis ins kleinste Detail reproduziert, täuschend echt. Da sitzt jemand tagelang und schneidet, faltet, klebt, erschafft und reißt alles wieder ein.
Ein Text von Botho Strauß zu einem Foto möchte ich gern zitieren, da er mich nachdenklich machte. War nicht ganz einfach ihn auf zu schreiben. Verdächtigte mich das Personal der Neuen Nationalgalerie doch dreist, im Besitz eines iPhones zu sein und heimlich Fotos zu machen! Ich tippte jedoch lediglich den Text in die Notizfunktion meines iPod touch. Ich sage ihnen das war ein Aufstand! O.K keine Fotos verstehe ich aber dann wollte man mir sogar verbieten, Notizen zu machen, trotz Erklärung es handele sich bei dem Gerät um einen MP3 Player. Also bitte, irgendwo hört der Spaß auf. Ich komme zum Text:
Wir vermeiden in jeder Millisekunde Traum oder Wachen, die Hölle der Diffusion. In Wahrheit werden wir unentwegt mit unvergleichlichen katastrophal neuen Situationen konfrontiert, befeuert, und nur unser gütig vereinfachendes, brav schablonisierendes Hirn wählt aus dem wilden Unbekannten das Vergleichbare aus und formt daraus die gröbsten, vor allem aber stabilsten Begriffe, zu denen wir glücklich Zuflucht nehmen dürfen.
Thomas Demand – Nationalgalerie
Neue Nationalgalerie
Noch bis zum 17.01.2010
Schreck am Mittag beim Schloßplatz. Der Palast der Republik ist aus Ruinen wieder auferstanden! Dabei hat sich die nicht gerade von Erfolg gekrönte “Temporäre Kunsthalle Berlin” nur eine neue Fassade gegeben. “Echo”, so nennt sich die Fotoinstallation von Bettina Pousttchi.
Wien naht unaufhörlich! Ich befinde mich in den un-hektischen Reisevorbereitungen in die Donau Metropole. Die Wäsche ist gewaschen, die Unterlagen sind beisammen und die Akkus sind geladen. Als Museum habe ich mir das Kunsthistorische Museum ausgesucht. Ich habe es dann doch eher mit den alten Meistern! Viel Zeit bleibt für Museen nicht. Wenn es zeitlich doch noch klappt, vielleicht hängt der Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek noch dran, inspiriert durch Ondamaris. Als Highlight werden wir mit dem Zug von Wien zum Stift Melk fahren, es besuchen und dann auf ein Donauschiff wechseln um durch die herrliche Wachau flussabwärts nach Krems zu fahren. Das gesamte Gebiet steht als “Kulturlandschaft Wachau” unter dem Schutz des Weltkulturerbes! In Krems besteigen wir wieder den Zug und fahren zurück nach Wien. Ein schöner Tagesausflug. Natürlich will ich dann auch noch in die Argentinierstraße
Bis nächste Woche Dienstag, herrscht hier also Funkstille.
Die Ausstellung “Bilder Träume” in der Neuen Nationalgalerie, zeigt die Privatsammlung des sympathischen Paars Ulla und Heiner Pietzsch. In ihrem geschmackvollen Haus in Dahlem hängen die Mirós, Magrittes, Picassos, Dalis etc. an den Wänden, darunter ihr Sofa, wie auf einer Fotografie zu sehen. Wie muss so ein Wohnen mit den Bildern sein? Sie täglich sehen zu können und sich an ihnen zu erfreuen? Ich denke sehr angenehm! Zur Zeit muss das Haus in Dahlem allerdings sehr leer aussehen. Die Nationalgalerie zeigt 200 Werke des Sammlerpaars. Das Paar hatte lange Zeit gezögert, die in vierzig Jahren zusammengetragenen Werke in der Neue Nationalgalerie, zu zeigen. „Ach, jetzt kommt der auch noch“, war die von Heiner Pietzsch befürchtete Reaktion, denn in Berlin waren in den letzten Jahren die Privatsammler wie nirgendwo aktiver.
Heiner Pietsch über sich selbst:
“Ich hatte nur mit Kunst zu tun. Mein Geld habe ich verdient in dem ich Kunststoffe verkauft und verarbeitet habe und das dort verdiente Geld habe ich in die Kunst investiert. Gott sei Dank nicht in Aktien!”
Berlin hat mit dieser Sammlung wahrlich einen Schatz. Das Paar, hoch in den Siebzigern, sähe sie gerne in Berlin, allerdings nicht im Depot verstauben. Da sollten Kulturverantwortliche aufmerken! Die Ausstellung zeigt ein reiches Spektrum des Surrealismus und des abstrakten Expressionismus. Sehr empfehlenswert!
Was mich allerdings etwas irritierte, war eine Schau im Obergeschoss, in der Haupthalle der Neuen Nationalgalerie. Dort läuft die Ausstellung “Zu Hilfe, zu Hilfe” des Künstlers Imi Knoebel. Die kostet 4 Euro extra. Als ich in der Halle stand kam eine Angestellte auf mich zu und forderte die Eintrittskarte, die ich für diese “Ausstellung” nicht hatte. Ich fragte wo denn die Kunst wäre? Nun die Glasscheiben seien bemalt! Und in den Ecken stünden Holzkonstruktionen! Ich muss gestehen, ich habe das als “Gerümpel” wahrgenommen. Eher Verpackung der noch zu zeigenden Kunst. Wenn man aus dem Untergeschoss kommt, nach einer so großartigen Schau und diesen “Minimalismus” sieht, fragt man sich schon wer hier die Eintrittspreise kalkuliert! Sparen Sie sich das Zusatzticket!
Bilder Träume
Neue Nationalgalerie, Potsdamer Str. 50
bis 22.11., Di/Mi/So 10-18 Uhr, Do 10-22 Uhr, Fr/Sa 10-20 Uhr.
Eintritt: 10 Euro/ermäßigt 5 Euro
Im Deutschen Historischen Museum läuft zur Zeit zum 70. Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen die Ausstellung “Deutsche und Polen – Abgründe und Hoffnungen”. Der Bogen spannt sich von 1772 bis in die Gegenwart. Vier mal wurde Polen im Laufe seiner Geschichte mit deutscher Beteiligung geteilt oder gänzlich als Staat von der Landkarte gestrichen. In drei Abteilungen wird diese Geschichte mit vielen interessanten Ausstellungsstücken erklärt. Erfreulich die vielen alten Karten, die anschaulich die bewegte Geschichte zeigen. Schmerzlich die Abteilung des Zweiten Weltkriegs, der den Tiefpunkt des Verhältnisses von Deutschen und Polen markiert. Nach dem Krieg die Vertreibung der Polen aus dem Osten Polens durch die Sowjetunion und die Vertreibung der Deutschen aus Polen durch die Polen. Im letzten Teil der Ausstellung, dann der lange Weg der Annäherung bis in die heutige Zeit. Interessant auch der Teil der Vorurteile auf beiden Seiten (siehe Fotos), die sich bis heute gehalten haben. Alles sehr sehenswert!
Deutsche und Polen – Abgründe und Hoffnungen
Im Deutschen Historischen Museum
Bis 6.September
Ich befinde mich bereits in den Vorbereitungen zu unserer Wien Reise. Felix und ich werden im Juli 4 Tage in der Donaumetropole verweilen. Freu! Zur Zeit schaue ich mir virtuell die Museen der Stadt an und was zu unserer Reisezeit im Angebot ist. Die Auswahl fällt schwer, ist wohl nur ein Museum möglich. Vielleicht das Kunsthistorische Museum? Oder die Hofburg? Vielleicht die Kapuzinergruft? Das MAK? Oder das Museum für Schwangerschaftsabbruch? Wie bitte!? Ich lese wohl nicht richtig! Doch es gibt in Wien eine Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch. Gerade denke ich, es gibt aber auch nichts, was es nicht gibt. Verhütung war Anfang des letzten Jahrhunderts aber wirklich echt schwer. Ein sehr wichtiges Museum wie ich finde, haben doch Frauen unter ungewollten Schwangerschaften schon immer schwer zu leiden gehabt. Dieses Museum kommt jedenfalls in meine engere Auswahl!
Nach den Begrüßungsreden von Dr. Lieselotte Kugler, Direktorin des Museums für Kommunikation Berlin und Dr. Christiane Holm, Kuratorin der Ausstellung, die sich vor allem mit dem neuen Medium Weblog auseinandersetzten, las Manfred Krug aus seinem Buch “Abgehauen”. Ein interessanter und witziger Einblick in das Leben des Schauspielers. Beim anschließenden Rundgang durch die Ausstellung wurde mir klar, dass der Schwerpunkt auf den Tagebüchern in Papierform liegt und zwar zu 90 Prozent. Bevor man die eigentliche Ausstellung betritt, präsentieren sich zwei Tische mit vielen Computern. Von den Bildschirmen kann man verschiedene Punkte aufrufen, unter anderem, ob Bloggen gefährlich ist! Die Blogsuchmaschine von Google ist vertreten und ein paar Blogs werden direkt verlinkt. Viel zu erkunden gibt es auf den Seiten nicht wirklich. Ich war schnell gelangweilt, auch das Design der Seiten erinnerte mich eher an einen Katalog in einer Bibliotheksdatenbank, da wäre viel mehr an Präsentation möglich gewesen. Sehr schade!
In der Ausstellung selbst, hinter einem Vorhang, sehr gedämpftes Licht, geschuldet den lichtempfindlichen Exponaten. Zahlreiche Vitrinen mit den verschiedensten Formen von Tagebüchern. Viele aus der Sammlung des Tagebucharchivs in Emmendingen. Mit Frauke von Troschke, der 1. Vorsitzenden des Vereins, unterhielt ich mich kurz und musste irritiert feststellen, dass ihr Verein, Weblogs nicht als Tagebücher ernst nimmt! Diese wären ja eher auf Resonanz ausgelegt! Mein Einwand, dass es zahlreiche Weblogs gibt, die keine Kommentarfunktion bieten, ließ sie nicht gelten. Das Tagebucharchiv beschäftigt sich jedenfalls nicht mit Weblogs, sammelt dies bezüglich auch nichts. Für mich war diese Aussage, im Bezug zu dieser Ausstellung, äußerst befremdlich. Trotzdem möchte ich auf die hervorragende Arbeit dieses Vereins aufmerksam machen. Von staatlicher Seite müsste es eine bessere Förderung geben, da die Sammlungsbestände des Vereins auch ein weiteres Stück national wertvollen Kulturgutes darstellen!
Geschickt am Boden platziert, sind in den Räumen einzelne Tagebucheinträge in Teppichform. Besonders beeindruckt hat mich aber die Arbeit von Walter Kempowski, “Echolot”. Ich werde mich näher damit beschäftigen. Zum Schluss hatte ich noch ein sehr gutes Gespräch mit Jenifer Stolz, für Medienarbeit im MfK Berlin zuständig, die mir noch sehr interessantes über die vielen zusätzlichen Veranstaltungen im Rahmen der Präsentation berichtete. So zum Beispiel am 25. Juni von 11- 15 Uhr mit dem Programmteil “Privatheit im Internet“.
Die Ausstellung ist interessant, arbeitet aber meiner Meinung nach nicht ausführlich den Sprung des Tagebuchs vom Blatt Papier auf das Medium Internet richtig heraus! Aktuellere Bezüge zu bestehenden Blogs haben mir gefehlt. Jedoch ist diese Ausstellung sehr wichtig- bedeutet sie doch, das die Museumslandschaft Weblogs als ernst zunehmendes Medium wahrnimmt!
@bsolut privat!? Vom Tagebuch zum Weblog
Vom 20. März bis 30. August 2009 im Museum für Kommunikation Berlin
Leipziger Straße 16
10117 Berlin-Mitte
Öffnungszeiten
Dienstag bis Freitag 9.00–17.00 Uhr
Samstag, Sonntag und an Feiertagen 10.00–18.00 Uhr
Eintrittspreise
regulärer Eintritt 3,00 EUR
ermäßigter Eintritt 1,50 EUR
Am 27. Februar 2006 hatte ein Teil meiner Privatheit den Weg ins World Wide Web gefunden. Seit dem blogge ich recht regelmäßig über das, was mich interessiert, aufregt, zum lachen oder weinen bringt oder mir einfach mitteilungswürdig ist. Das Museum für Kommunikation in Berlin zeigt ab dem 20. März bis 30. August 2009 die Ausstellung “@bsolut privat!? Vom Tagebuch zum Weblog“. Aus dem Pressetext: “Tagebuch schreiben – das ist verbunden mit vagen Vorstellungen von Intimität und Egotrip, von Geheimnis und Enthüllung. Das Fragezeichen im Ausstellungstitel lädt dazu ein, diese gängigen Klischees zu hinterfragen. Privatheit ist keineswegs eine durchgehende Konstante für das Tagebuch, denn schon seit der frühen Neuzeit – und nicht erst zu Zeiten des Webs 2.0 – hat es Diarien gegeben, die für andere Leser oder gar auf eine Veröffentlichung hin angelegt waren. Umgekehrt sind die Blogs, die mittlerweile allein in Deutschland von weit über einer Millionen Menschen gelesen werden, nicht nur auf Schlagworte wie Exhibitionismus oder Enthüllung zu reduzieren.
In der Ausstellung, die über 300 Tagebücher und Weblogs umfasst, werden papierene und digitale Tageschroniken erstmals gemeinsam gezeigt und diskutiert. Neben Zeitzeugnissen Unbekannter begegnen uns in den originalen Tagebuchdokumenten auch prominente Autorinnen und Autoren wie Thomas Mann, Clara Schumann, Johann Wolfgang von Goethe, Walter Kempowski, James Cook oder Wilhelm von Humboldt.
Ob privat oder öffentlich, ob auf Papier oder als Weblog – wer Tagebuch schreibt, ist nicht mehr allein mit sich und kommuniziert zugleich in einem ganz bestimmten Rhythmus. Diese prägende Kraft der Tagestaktung verleiht dem Tagebuch seine charakteristische Form.”
Das könnte interessant sein! Am 19. März um 19:00 Uhr ist die Ausstellungseröffnung und ich werde hingehen und davon berichten. Ein Blog, passend zur Ausstellung, gibt es auch.
70 Jahre lang, war das nach Plänen von August Stüler zwischen 1843 und 1855 errichtete Neue Museum, nicht zugänglich. Im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, erfolgte 1985 eine erste Notsicherung des Gebäudes. Die Bauarbeiten zur Wiederherstellung begannen 2003 und sind nun abgeschlossen. An diesem Wochenende hatten die Berliner zum ersten Mal die Gelegenheit, das restaurierte Gebäude in Augenschein zu nehmen. Wir gesellten uns unter die Schaulustigen, die in einer langen Schlange um Einlass begehrten. Ich, skeptisch ob des Anspruchs des Architekten David Chipperfield, das Gebäude in der Architektursprache unserer Zeit und mit behutsamer Konservierung der Spuren der Geschichte wieder erstehen zu lassen, wurde in Teilen eines Besseren belehrt! Gelungen ist die Restaurierung der noch vorhandenen Bausubstanz. Belässt man doch die Wandmalereien, die Kriegsschäden an Pfeilern und Säulen doch soweit, das man erahnen kann, wie prächtig einst dieser Bau gewirkt haben muss. Hätte man alles wieder hergestellt, befände man sich sicherlich in einer Art Disneyland. Die neuen Einbauten Chipperfields allerdings, sind stark gewöhnungsbedürftig! Das man das opulente Treppenhaus nicht wieder im alten Glanz aufgebaut ist verständlich, die Kosten wären exorbitant, dass man aber einen Raum wie ein gigantisches Pissoir gestaltet hat, ärgerte dann doch.
Berlin hat ein weiteres Museum auf der Museumsinsel von Weltgeltung zu bieten und ich bin gespannt auf den neuen Ansatz, den man im Haus dem Besucher bieten will, da es die Sammlungen des Ägyptischen Museums und der Papyrussammlung und des Museums für Vor- und Frühgeschichte aufnehmen wird: “…..dabei werden die Sammlungen nicht streng voneinander getrennt präsentiert. Hingegen gehen sie in einem neuartigen Ausstellungskonzept auf, bei dem sie nicht in Konkurrenz zueinander treten, sondern gemeinsam dem Besucher einen faszinierenden Blick in die Ursprünge der Menschheitsgeschichte bieten.” Wir dürfen gespannt sein!
Wenn Sie mal einen Blick hinein werfen wollen:
Frohes Neues übrigens! Waren Sie schon einmal in Görlitz? Nicht? Schade, Sie haben bisher etwas verpasst! Den Jahreswechsel verbrachten Felix und ich in diesem pittoresken Städtchen an der Neisse. In einem Gründerzeithaus am Wilhelmplatz, residierten wir auf herrschaftlichen 120 qm. Die Stadt, die östlichste Deutschlands, bietet unzählige historische Bauten, ist sie doch glücklicherweise im Zweiten Weltkrieg kaum zerstört worden. 3500 Denkmäler hat Görlitz zu bieten, so viel wie keine andere Stadt Deutschlands! Vom Mittelalter über die Renaissance, von Gotik bis Barock zu Klassizismus und Jugendstil ist hier alles vertreten.
Es macht Spaß durch die Gassen zu schlendern, sicherlich im Sommer noch mehr als wie wir es im eiskalten Winter taten. Allein das Gründerzeitviertel ist riesig! Eine in dieser Fülle vorhandene alte Bausubstanz habe ich noch nie gesehen. Ganze Straßenzüge sind komplett erhalten. Teils saniert, teils vom Verfall bedroht. 6000 Wohnungen stehen in Görlitz leer und wenn man die Augen nach oben richtet, hängen an fast jedem Haus Vermietungsschilder. Als Erklärung für diesen gigantischen Leerstand sei die Arbeitslosenquote von mehr als 20 Prozent genannt und der daraus resultierende Wegzug der Menschen. Viele Menschen leben noch in den alten Plattenbauten am Rande der Stadt und wollen dort, mir etwas unverständlich, auch nicht weg. Seit kurzem jedoch gibt es wieder mehr Zuzug als Wegzug. Es kommen Rentner, meist aus dem Westen, die sich Görlitz als Altersruhesitz auserkoren haben. Verständlich, bei der Schönheit dieser Stadt und den extrem günstigen Mieten. Allerdings war Görlitz schon zu Preußens Zeiten ein Altersruhesitz für Beamte. Es wurde damals auch schon spöttisch Pensionopolis genannt.
Görlitz war einst Teil von Schlesien. Dieses Schlesien war für mich immer das Land, wo diese etwas komischen reaktionären Landsmannschaften herkamen. Nach dem Besuch des Schlesischen Museums in Görlitz, was ich Ihnen wärmstens ans Herz lege, bin ich nun eines Besseren belehrt, jedenfalls was das Land angeht. Schlesien war schon immer ein begehrtes Gebiet, von Polen, Tschechen, Österreichern, Sachsen und von Preußen und nie konnte man es einem Land richtig zuordnen. Es wurde zwar mehrheitlich Deutsch gesprochen aber kulturell hatte es viele Einflüsse. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Deutschen aus Schlesien vertrieben und das Land gehört heute größtenteils zu Polen und kleine Teile zu Tschechien und Deutschland. Görlitz wurde zur Grenzstadt zu Polen und versank für 40 Jahre ins Tal der Ahnungslosen in der DDR. Seit 1989 wird restauriert was das Zeug hält und Görlitz erstrahlt wieder in alter Pracht!
Hier ein kleiner Blick auf die Stadt. Wenn Sie einmal hinein schauen wollen:
Das waren die verachtenden Worte des Katastrophen-Kaisers Wilhelm II (1859-1941) über die Kunst des Malers Walter Leistikow (1865-1908). Das Bürgertum scherte sich jedoch einen Dreck um des Kaisers Meinung und kaufte eifrig die Bilder des begabten Landschaftsmalers. Das kann man verstehen wenn man sich einige seiner Werke anschaut.
Im Bröhan-Museum läuft bereits seit einiger Zeit die Ausstellung “Stimmungslandschaften-Gemälde von Walter Leistikow (1865-1908)“. Wie ich mich heute, vor einem schönen Herbstspaziergang im in herbstlicher Pracht strahlendem Park des Charlottenburger Schlosses, selbst überzeugen konnte, ist dies eine beeindruckende Schau der Arbeiten von Leistikow! Sehr empfehlenswert!
Dauer
3. Oktober 2008 bis 11. Januar 2009
Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr und an allen Feiertagen
(24. und 31.12. geschlossen)
Verkehrsverbindungen
| Bus: | 109, 309, M45 (Haltestelle „Schloß Charlottenburg“) | |
| U-Bahn: | Richard-Wagner-Platz oder Sophie-Charlotte-Platz | |
| S-Bahn: | Westend |
Eintrittspreise
8,- €, ermäßigt 5,- €
Lärm, infernalischer Lärm. Am Hochofen beißender stinkender Dampf der den Arbeitern den Atem raubt. Unerträgliche Hitze, fließende Erde, flüssiges Eisen, Feuer und Schwefeldämpfe, eben die Schönheit der Hölle. Das kommt mir in den Sinn, als ich inmitten der Völklinger Hütte meine Gedanke schweifen lasse. 4000 Arbeiter beherrschten hier einst die Kunst die 4 Elemente zu bändigen und Roheisen zu schaffen. Man braucht viel Vorstellungskraft um sich dieses gigantische Bauwerk in Aktion vorzustellen. Ein lebender Organismus aus Eisen.
Nun herrscht Stille, das Stahlwerk hat sein Leben ausgehaucht. Es riecht muffig rostig chemisch, nach erkalteter Asche. Wir bekommen Helme, da wir uns auch in Bereiche vor wagen, die gefährlich sind. Ich steige hinauf auf die Gichtbühne. Eine beeindruckende Kulisse bietet sich mir! Hier fuhren die Loren mit Erz und Koks zu den Hochöfen. Von hier oben kann man die gesamte Hütte überblicken und die Augen über das Saartal schweifen lassen. Hier oben sieht man auch, das buchstäblich Gras über die Anlage wächst. Kathedrale der Arbeit möchte ich das Ganze gern nennen aber ich habe leicht reden. Mit großem Abstand wird harte Arbeit gerne idealisiert. Viele Menschen haben sich hier ihre Gesundheit ruiniert! Durch dieses metallene Ungetüm, das zurecht zum Weltkulturerbe gehört, bin ich neugierig geworden und werde mich intensiver mit dem Thema Eisen- und Stahlerzeugung auseinandersetzen.
Vorweg, ich mag den Bau nicht. Mag sich der Architekt noch soviel dabei gedacht haben, ich halte mich im Märkischen Museum nicht gerne auf. Rein bin ich trotzdem, da die Ausstellung “Berlin im Licht” mich anzog wie Motten das Licht. Die Schau unternimmt einen Streifzug durch Berlins Kulturgeschichte der letzten einhundert Jahre aus der Perspektive einer technischen Innovation: der Erfindung des künstlichen Lichts. Zur Eröffnung war viel Volk gekommen, dementsprechend warm war es in den Räumlichkeiten. Die Eröffnungsansprachen sparte ich mir und ging gleich auf Entdeckungstour. Vorbei an mittelalterlichen Handlaternen und den Anfängen der Gasbeleuchtung hinein ins Zeitalter des elektrischen Lichts! Siemens und AEG sind da für Berlin zu nennen. Anschaulich wie die ersten Leitungen in Berlin, Strom für Licht in die Wohnstuben der Reichen brachten. Viele interessante Ausstellungsstücke und viele Fotografien erzählen anschaulich den Weg des elektrischen Lichts in Berlin, über die Kaiserzeit und der Weimarer Republik sowie dem Nationalsozialismus und der Nachkriegszeit in Ost- und Westberlin hin zum modernen Lichtlabor unserer Zeit.
Einige gezeigte Stücke waren sehr beeindruckend für mich. So etwa ein Plakat zur Verdunkelung im 2. Weltkrieg oder die Lichtmasten im Grenzstreifen der Berliner Mauer oder die Größe der Lampen auf den Kandelaber der Karl-Marx Allee. Was mir fehlte waren mehr Filme! Es gibt soviel Filmmaterial über diese Zeit, da hätte man ein kleines provisorisches Kino installieren können. Die drei gezeigten kurzen Filme sind zwar interessant aber leider ist der Ton so leise gestellt das man fast kein Wort versteht! Wenn man dann den Ausgang aus dem verschachtelten Gebäude findet, hat man tatsächlich etwas gelernt. Wie wertvoll doch elektrisches Licht ist, denn früher gab es nur schummeriges Kerzenlicht und nach Sonnenuntergang war auf den Straßen nichts mehr los. Gut, in vielen deutschen Kleinstädten ist das auch mit elektrischem Licht heute noch der Fall.
Berlin im Licht
24.06.08 bis 01.01.2009
Di, Do, So: 10-18 Uhr | Mi: 12-20 Uhr | Fr+Sa: 14-22 Uhr
6 € | ermäßigt 3 €
Jeden 1. Mittwoch im Monat Eintritt frei!
Märkisches Museum| Am Köllnischen Park 5| 10179 Berlin|
U Märkisches Museum| S+U Jannowitzbrücke| Bus 248,347|
www.stadtmuseum.de/berlinimlicht
Doch, ich lebe noch! Schwester glücklich unter der Haube und ich wieder in Berlin. Gleich auf´s Rad und Kilometer um Kilometer abgerissen. Heute dann nach Karlshorst geradelt. Dabei den Tierpark am Eingang gestreift…ich betrete Zoos aus Überzeugung ja nicht…und dabei am Eingang dieses Schild entdeckt:
Wer schleppt schon sein Stammbuch mit sich herum? Jedenfalls war ich danach im Deutsch-russischen Museum in Karlshorst und habe mir dort eine interessante Ausstellung angeschaut. Im Gebäude, das ehemalige Wehrmachts Offizierskasino der Pionierschule 1, unterzeichneten die Wehrmacht am 8. Mai 1945 die bedingungslose Kapitulation. Hitler-Deutschland war endlich besiegt. Draußen vor der Tür, stehen bedrohlich die Panzer, die einst mit dem russischen Vormarsch, Berlin eroberten. Was fehlt sind meiner Meinung nach, mehr Filme. Gute Dokumentationen. Es laufen leider nur zwei kurze Filme und dazu noch ohne Ton. Aber der Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Der Eintritt dort ist übrigens kostenlos!