Voll war die Haupthalle des Museums für Kommunikation in Berlin zur Eröffnung der Ausstellung „
@bsolut privat!? Vom Tagebuch zum Weblog“ wenn auch gefühlte 60 Jahre alt, jedenfalls was das Publikum betraf! Ich hatte den Gedanken, dass es Premierengäste waren, die sowieso zu jeder Eröffnung des Museums eingeladen werden und auch kommen. Spätere Gespräche mit Besuchern bestärkten mich in dem Gedanken, dass die meisten hier mit Weblogs so rein gar nichts anfangen können. Bekannte Blogger sah man jedenfalls nicht. Lag es daran, dass die Ausstellung an den Bloggern vorbeigegangen ist, weil man sie gar nicht darüber informiert hatte?
Nach den Begrüßungsreden von Dr. Lieselotte Kugler, Direktorin des Museums für Kommunikation Berlin und Dr. Christiane Holm, Kuratorin der Ausstellung, die sich vor allem mit dem neuen Medium Weblog auseinandersetzten, las Manfred Krug aus seinem Buch “Abgehauen”. Ein interessanter und witziger Einblick in das Leben des Schauspielers. Beim anschließenden Rundgang durch die Ausstellung wurde mir klar, dass der Schwerpunkt auf den Tagebüchern in Papierform liegt und zwar zu 90 Prozent. Bevor man die eigentliche Ausstellung betritt, präsentieren sich zwei Tische mit vielen Computern. Von den Bildschirmen kann man verschiedene Punkte aufrufen, unter anderem, ob Bloggen gefährlich ist! Die Blogsuchmaschine von Google ist vertreten und ein paar Blogs werden direkt verlinkt. Viel zu erkunden gibt es auf den Seiten nicht wirklich. Ich war schnell gelangweilt, auch das Design der Seiten erinnerte mich eher an einen Katalog in einer Bibliotheksdatenbank, da wäre viel mehr an Präsentation möglich gewesen. Sehr schade!
In der Ausstellung selbst, hinter einem Vorhang, sehr gedämpftes Licht, geschuldet den lichtempfindlichen Exponaten. Zahlreiche Vitrinen mit den verschiedensten Formen von Tagebüchern. Viele aus der Sammlung des Tagebucharchivs in Emmendingen. Mit Frauke von Troschke, der 1. Vorsitzenden des Vereins, unterhielt ich mich kurz und musste irritiert feststellen, dass ihr Verein, Weblogs nicht als Tagebücher ernst nimmt! Diese wären ja eher auf Resonanz ausgelegt! Mein Einwand, dass es zahlreiche Weblogs gibt, die keine Kommentarfunktion bieten, ließ sie nicht gelten. Das Tagebucharchiv beschäftigt sich jedenfalls nicht mit Weblogs, sammelt dies bezüglich auch nichts. Für mich war diese Aussage, im Bezug zu dieser Ausstellung, äußerst befremdlich. Trotzdem möchte ich auf die hervorragende Arbeit dieses Vereins aufmerksam machen. Von staatlicher Seite müsste es eine bessere Förderung geben, da die Sammlungsbestände des Vereins auch ein weiteres Stück national wertvollen Kulturgutes darstellen!
Geschickt am Boden platziert, sind in den Räumen einzelne Tagebucheinträge in Teppichform. Besonders beeindruckt hat mich aber die Arbeit von Walter Kempowski, “Echolot”. Ich werde mich näher damit beschäftigen. Zum Schluss hatte ich noch ein sehr gutes Gespräch mit Jenifer Stolz, für Medienarbeit im MfK Berlin zuständig, die mir noch sehr interessantes über die vielen zusätzlichen Veranstaltungen im Rahmen der Präsentation berichtete. So zum Beispiel am 25. Juni von 11- 15 Uhr mit dem Programmteil “Privatheit im Internet“.
Die Ausstellung ist interessant, arbeitet aber meiner Meinung nach nicht ausführlich den Sprung des Tagebuchs vom Blatt Papier auf das Medium Internet richtig heraus! Aktuellere Bezüge zu bestehenden Blogs haben mir gefehlt. Jedoch ist diese Ausstellung sehr wichtig- bedeutet sie doch, das die Museumslandschaft Weblogs als ernst zunehmendes Medium wahrnimmt!
@bsolut privat!? Vom Tagebuch zum Weblog
Vom 20. März bis 30. August 2009 im Museum für Kommunikation Berlin
Leipziger Straße 16
10117 Berlin-Mitte
Öffnungszeiten
Dienstag bis Freitag 9.00–17.00 Uhr
Samstag, Sonntag und an Feiertagen 10.00–18.00 Uhr
Eintrittspreise
regulärer Eintritt 3,00 EUR
ermäßigter Eintritt 1,50 EUR