Nicht darin nur daran vorbei

Zeitlich schaffte ich es heute nicht ins neue Neue Museum. Ich kam nur daran vorbei und lichtete schnell drei Eindrücke ab.

Thomas Demand – Nationalgalerie

thomas-demand-nationalgalerie Thomas Demand (*1964) habe ich ja bereits seit einiger Zeit in der Kunst-Blogroll. Nun führte mich mein Weg an diesem schmudeligen Sonntag in die Neue Nationalgalerie, da dort eine große Werkschau dieses international renommierten deutschen Künstlers noch bis zum 17.01.2010 zu sehen ist. Der Schwerpunkt der 40 Arbeiten liegt auf Deutschland. Was macht Thomas Demand denn nun genau? Er fertigt aus Papier, Karton und Pappe, Modelle detailgetreuer Tatort- und Pressefotos an, die er dann licht-technisch perfekt inszeniert und fotografiert um sie danach wieder zu vernichten. Nur seine Fotos bleiben. Auf diesen verstörenden Fotos sind stets keine Menschen zu sehen. Er dokumentiert unsere Medienwelt, er reproduziert.

Schwere riesige graue Vorhänge teilen das obere Stockwerk der Nationalgalerie in Segmente ein. Drinnen die gut 40 Arbeiten, großformatige Fotografien. Vor- und seitlich der Fotos stehen kleine Tische, in denen Bücher mit Texten von Botho Strauß zu lesen sind. Sie beziehen sich zwar auf die Bilder, erklären sie aber nicht. Was sie auch nicht brauchen, denn bei vielen Fotos erinnere ich mich an das abgebildete Ereignis. So zum Beispiel das Werk  “Badezimmer“. Sofort denke ich an das Zeitungsfoto des Niedersächsischen Schleswig-Holsteinischen Ministerpräsidenten Barschel, der tot in der Badewanne des Genfer Hotels Beau-Rivage liegt. Nur hier fehlt Barschel. Ein beeindruckender Moment.

Wenn man sehr dicht an die Fotos heran tritt, erkennt man, das die abgebildeten Objekte alle aus Papier, Karton oder Pappe sind. Ich denke mir, was für ein Aufwand. Bis ins kleinste Detail reproduziert, täuschend echt. Da sitzt jemand tagelang und schneidet, faltet, klebt, erschafft und reißt alles wieder ein.

Ein Text von Botho Strauß zu einem Foto möchte ich gern zitieren, da er mich nachdenklich machte. War nicht ganz einfach ihn auf zu schreiben. Verdächtigte mich das Personal der Neuen Nationalgalerie doch dreist, im Besitz eines iPhones zu sein und heimlich Fotos zu machen! Ich tippte jedoch lediglich den Text in die Notizfunktion meines iPod touch. Ich sage ihnen das war ein Aufstand! O.K keine Fotos verstehe ich aber dann wollte man mir sogar verbieten, Notizen zu machen, trotz Erklärung es handele sich bei dem Gerät um einen MP3 Player. Also bitte, irgendwo hört der Spaß auf. Ich komme zum Text:

Wir vermeiden in jeder Millisekunde Traum oder Wachen, die Hölle der Diffusion. In Wahrheit werden wir unentwegt mit unvergleichlichen katastrophal neuen Situationen konfrontiert, befeuert, und nur unser gütig vereinfachendes, brav schablonisierendes Hirn wählt aus dem wilden Unbekannten das Vergleichbare aus und formt daraus die gröbsten, vor allem aber stabilsten Begriffe, zu denen wir glücklich Zuflucht nehmen dürfen.

Thomas Demand – Nationalgalerie

Neue Nationalgalerie
Noch bis zum 17.01.2010

Palast wieder da

Schreck am Mittag beim Schloßplatz. Der Palast der Republik ist aus Ruinen wieder auferstanden! Dabei hat sich die nicht gerade von Erfolg gekrönte “Temporäre Kunsthalle Berlin” nur eine neue Fassade gegeben. “Echo”, so nennt sich die Fotoinstallation von Bettina Pousttchi.

Neuer Palast

Rundgang 09 die Zweite

Im Kinoprogramm beim Rundgang 09 im Medienhaus der UdK an der Grunewaldstraße, waren einige witzige und unterhaltsame Filme zu sehen. Aber auch in diesem Jahr, hier nicht der große Hingucker für mich dabei. Jemand hat sich an einer Wand verewigt mit dem Spruch “Was zum Teufel lernt ihr hier überhaupt?”. So krass würde ich es nicht formulieren.

Wenn Sie einmal hinein schauen wollen:

Rundgang 09 – Universität der Künste

antiteilchen-schatten So richtig begeistert war ich in diesem Jahr nicht, was die Fakultät Bildende Kunst bei den Tagen der offenen Tür der UdK (Universität der Künste) an der Hardenbergstraße zeigt. Von den 4 Rundgängen die ich seit 2006 dort jedes Jahr gemacht habe, war der diesjährige der Langweiligste. Selbst einige Studenten in den Ateliers, die sonst immer freundlich und auskunftsfreudig sind, waren diesmal von ihrem Tun eher gelangweilt. Nur mit Mühe konnte ich Informationen zu den Arbeiten erhalten. Die Stimmung allgemein war dröger als die der anderen Jahre. So auch die ausgestellten Arbeiten. Nichts was mich wirklich überraschte oder zum Nachdenken anregte. Sonst macht es immer Spaß in dem riesigen Gebäude von Raum zu Raum, von Etage zu Etage zu wandern und immer etwas Neues zu entdecken. Diesmal war es eher anstrengend.

Morgen gehe ich in die Grunewaldstraße, dort sind die Arbeiten der Abteilung Visuelle Kommunikation ausgestellt. Ich bin gespannt was mich dort erwartet!

Wenn Sie einmal hinein schauen wollen:

Bilder Träume

Der Blick durchs Schlüsselloch Die Ausstellung “Bilder Träume” in der Neuen Nationalgalerie, zeigt die Privatsammlung des sympathischen Paars Ulla und Heiner Pietzsch. In ihrem geschmackvollen Haus in Dahlem hängen die Mirós, Magrittes, Picassos, Dalis etc. an den Wänden, darunter ihr Sofa, wie auf einer Fotografie zu sehen. Wie muss so ein Wohnen mit den Bildern sein? Sie täglich sehen zu können und sich an ihnen zu erfreuen? Ich denke sehr angenehm! Zur Zeit muss das Haus in Dahlem allerdings sehr leer aussehen. Die Nationalgalerie zeigt 200 Werke des Sammlerpaars. Das Paar hatte lange Zeit gezögert, die in vierzig Jahren zusammengetragenen Werke in der Neue Nationalgalerie, zu zeigen. „Ach, jetzt kommt der auch noch“, war die von Heiner Pietzsch befürchtete Reaktion, denn in Berlin waren in den letzten Jahren die Privatsammler wie nirgendwo aktiver.

Heiner Pietsch über sich selbst:

“Ich hatte nur mit Kunst zu tun. Mein Geld habe ich verdient in dem ich Kunststoffe verkauft und verarbeitet habe und das dort verdiente Geld habe ich in die Kunst investiert. Gott sei Dank nicht in Aktien!”

Berlin hat mit dieser Sammlung wahrlich einen Schatz. Das Paar, hoch in den Siebzigern, sähe sie gerne in Berlin, allerdings nicht im Depot verstauben. Da sollten Kulturverantwortliche aufmerken! Die Ausstellung zeigt ein reiches Spektrum des Surrealismus und des abstrakten Expressionismus. Sehr empfehlenswert!

Wie Sie sehen, sehen Sie nicht viel Was mich allerdings etwas irritierte, war eine Schau im Obergeschoss, in der Haupthalle der Neuen Nationalgalerie. Dort läuft die Ausstellung “Zu Hilfe, zu Hilfe” des Künstlers Imi Knoebel. Die kostet 4 Euro extra. Als ich in der Halle stand kam eine Angestellte auf mich zu und forderte die Eintrittskarte,  die ich für diese “Ausstellung” nicht hatte. Ich fragte wo denn die Kunst wäre? Nun die Glasscheiben seien bemalt! Und in den Ecken stünden Holzkonstruktionen! Ich muss gestehen, ich habe das als “Gerümpel” wahrgenommen. Eher Verpackung der noch zu zeigenden Kunst. Wenn man aus dem Untergeschoss kommt, nach einer so großartigen Schau und diesen “Minimalismus” sieht, fragt man sich schon wer hier die Eintrittspreise kalkuliert! Sparen Sie sich das Zusatzticket!

Bilder Träume

Neue Nationalgalerie, Potsdamer Str. 50
bis 22.11., Di/Mi/So 10-18 Uhr, Do 10-22 Uhr, Fr/Sa 10-20 Uhr.
Eintritt: 10 Euro/ermäßigt 5 Euro

Deutsche und Polen

Im Deutschen Historischen Museum läuft zur Zeit zum 70. Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen die Ausstellung “Deutsche und Polen – Abgründe und Hoffnungen”. Der Bogen spannt sich von 1772 bis in die Gegenwart. Vier mal wurde Polen im Laufe seiner Geschichte mit deutscher Beteiligung geteilt oder gänzlich als Staat von der Landkarte gestrichen. In drei Abteilungen wird diese Geschichte mit vielen interessanten Ausstellungsstücken erklärt. Erfreulich die vielen alten Karten, die anschaulich die bewegte Geschichte zeigen. Schmerzlich die Abteilung des Zweiten Weltkriegs, der den Tiefpunkt  des Verhältnisses von Deutschen und Polen markiert. Nach dem Krieg die Vertreibung der Polen aus dem Osten Polens durch die Sowjetunion und die Vertreibung der Deutschen aus Polen durch die Polen. Im letzten Teil der Ausstellung, dann der lange Weg der Annäherung bis in die heutige Zeit. Interessant auch der Teil der Vorurteile auf beiden Seiten (siehe Fotos), die sich bis heute gehalten haben. Alles sehr sehenswert!

Deutsche und Polen – Abgründe und Hoffnungen
Im Deutschen Historischen Museum
Bis 6.September

Schnarchlandschaften einer Kurfürstin

stuehle.jpg Schade. Sehr enttäuscht verließen wir heute das Gelände der Landesgartenschau in Oranienburg. Ich habe selten eine solch einfallslose Gartenkomposition gesehen. Uns lockten “Traumlandschaften einer Kurfürstin in Gartenzimmern und Bosketten” mit Unterthemen wie Eifer-Traum-Liebe-Glaube-Lust-Hoffnung etc. Aber zu sehen bekamen wir lieblos gestaltete Pflanzenboxen. Ich konnte keines der Unterthemen aus den Gartenzimmern ablesen. Die Schau wirkt sehr steril, eher kalt, alles ist kantig, eckig, hier und dort mit ein paar Kreisen. Gärten vom Reißbrett, Baukastenprinzip eben. Zur Zeit blühen hauptsächlich Tulpen, viele Tulpen, ein größerer Mix an verschiedenen Gewächsen hätte dem Ganzen sehr gut getan. Es fehlt die Abwechslung, der überraschende Moment. Einzig in einem kleinen Schauhaus blüht es prächtig vor sich hin. Warum man davon Teile nicht tagsüber nach draußen bringt ist mir schleierhaft. Auf den Erklärungstafeln in den “Gartenzimmern” Sprüche oder Liedtexte von, und zwar ausschließlich, Herman (Plitsche Platsche) van Veen. Wohl eine Anspielung auf die Niederlande aus der Luise Henriette von Oranien stammt, einst Hausherrin auf Schloss Oranienburg.

In den Bosketten dann eine weitere Ernüchterung. Themen wie z.B. Toleranz werden dargestellt als 6 Metallringe im Boden!? Sind es Eheringe oder gar überdimensionierte Cockringe? Uns knurrte danach der Magen und wir suchten die Gastronomie auf. Preislich wirklich ein frecher Knaller: Eine Bulette zu 3,50 Euro! Beim eh schon stolzen Eintritt von 12 Euro unverschämt happig! Im Eintrittspreis ist allerdings auch der Besuch des am Gartenschaugelände gelegenen Schloss Oranienburg enthalten. Hübsch! In den kleinen Gemächern selbst fiel mir allerdings auf,  dass mindestens 30 bis 35 Personen hier Wache schieben. Fort Knox ist schlechter gesichert! Also wenn Sie wirklich, wirklich nichts anderes zu tun haben, reisen Sie nach Oranienburg zur Lehrlingsschau der Gartenbaukunst!

Damit Sie schon mal einen kleinen Ein- oder Ausblick haben, was Sie erwartet:

Auch Max und Moritz waren weise – sie notierten ihre Streiche!

hauptbild.jpg Voll war die Haupthalle des Museums für Kommunikation in Berlin zur Eröffnung der Ausstellung „@bsolut privat!? Vom Tagebuch zum Weblog“ wenn auch gefühlte 60 Jahre alt, jedenfalls was das Publikum betraf! Ich hatte den Gedanken, dass es Premierengäste waren, die sowieso zu jeder Eröffnung des Museums eingeladen werden und auch  kommen. Spätere Gespräche mit Besuchern bestärkten mich in dem Gedanken, dass die meisten hier mit Weblogs so rein gar nichts anfangen können. Bekannte Blogger sah man jedenfalls nicht. Lag es daran, dass die Ausstellung an den Bloggern vorbeigegangen ist, weil man sie gar nicht darüber informiert hatte?

Nach den Begrüßungsreden von  Dr. Lieselotte Kugler, Direktorin des Museums für Kommunikation Berlin und  Dr. Christiane Holm, Kuratorin der Ausstellung, die sich vor allem mit dem neuen Medium Weblog auseinandersetzten, las Manfred Krug aus seinem Buch “Abgehauen”. Ein interessanter und witziger Einblick in das Leben des Schauspielers. Beim anschließenden Rundgang durch die Ausstellung wurde mir klar, dass der Schwerpunkt auf den Tagebüchern in Papierform liegt und zwar zu 90 Prozent. Bevor man die eigentliche  Ausstellung betritt, präsentieren sich zwei Tische mit vielen Computern. Von den Bildschirmen kann man verschiedene Punkte aufrufen, unter anderem, ob Bloggen gefährlich ist! Die Blogsuchmaschine von Google ist vertreten und ein paar Blogs werden direkt verlinkt. Viel zu erkunden gibt es auf den Seiten nicht wirklich. Ich war schnell gelangweilt, auch das Design der Seiten erinnerte mich eher an einen Katalog in einer Bibliotheksdatenbank, da wäre viel mehr an Präsentation möglich gewesen. Sehr schade!

In der Ausstellung selbst, hinter einem Vorhang, sehr gedämpftes Licht, geschuldet den lichtempfindlichen Exponaten. Zahlreiche Vitrinen mit den verschiedensten Formen von Tagebüchern. Viele aus der Sammlung des Tagebucharchivs in Emmendingen. Mit Frauke von Troschke, der 1. Vorsitzenden des Vereins, unterhielt ich mich kurz und musste irritiert feststellen, dass ihr Verein, Weblogs nicht als Tagebücher ernst nimmt! Diese wären ja eher auf Resonanz ausgelegt! Mein Einwand, dass es zahlreiche Weblogs gibt, die keine Kommentarfunktion bieten, ließ sie nicht gelten. Das Tagebucharchiv beschäftigt sich jedenfalls nicht mit Weblogs, sammelt dies bezüglich auch nichts. Für mich war diese Aussage, im Bezug zu dieser Ausstellung, äußerst befremdlich. Trotzdem möchte ich auf die hervorragende Arbeit dieses Vereins aufmerksam machen. Von staatlicher Seite müsste es eine bessere Förderung geben, da die Sammlungsbestände des Vereins auch ein weiteres Stück national wertvollen Kulturgutes darstellen!

Geschickt am Boden platziert, sind in den Räumen einzelne Tagebucheinträge in Teppichform. Besonders beeindruckt hat mich aber die Arbeit von Walter Kempowski, “Echolot”. Ich werde mich näher damit beschäftigen. Zum Schluss hatte ich noch ein sehr gutes Gespräch mit Jenifer Stolz, für Medienarbeit im MfK Berlin zuständig, die mir noch sehr interessantes über die vielen zusätzlichen Veranstaltungen im Rahmen der Präsentation berichtete. So zum Beispiel am 25. Juni von 11- 15 Uhr mit dem Programmteil “Privatheit im Internet“.

Die Ausstellung ist interessant, arbeitet aber meiner Meinung nach nicht ausführlich den Sprung des Tagebuchs vom Blatt Papier auf das Medium Internet richtig heraus! Aktuellere Bezüge zu bestehenden Blogs haben mir gefehlt. Jedoch ist diese Ausstellung sehr wichtig- bedeutet sie doch, das die Museumslandschaft Weblogs als ernst zunehmendes Medium wahrnimmt!

@bsolut privat!? Vom Tagebuch zum Weblog
Vom 20. März bis 30. August 2009 im Museum für Kommunikation Berlin

Leipziger Straße 16
10117 Berlin-Mitte

Öffnungszeiten
Dienstag bis Freitag 9.00–17.00 Uhr
Samstag, Sonntag und an Feiertagen 10.00–18.00 Uhr

Eintrittspreise
regulärer Eintritt 3,00 EUR
ermäßigter Eintritt 1,50 EUR

Blättern im Leben

absolut-privatAm 27. Februar 2006 hatte ein Teil meiner Privatheit den Weg ins World Wide Web gefunden. Seit dem blogge ich recht regelmäßig über das, was mich interessiert, aufregt, zum lachen oder weinen bringt oder mir einfach mitteilungswürdig ist. Das Museum für Kommunikation in Berlin zeigt ab dem 20. März bis 30. August 2009 die Ausstellung “@bsolut privat!? Vom Tagebuch zum Weblog“. Aus dem Pressetext: “Tagebuch schreiben – das ist verbunden mit vagen Vorstellungen von Intimität und Egotrip, von Geheimnis und Enthüllung. Das Fragezeichen im Ausstellungstitel lädt dazu ein, diese gängigen Klischees zu hinterfragen. Privatheit ist keineswegs eine durchgehende Konstante für das Tagebuch, denn schon seit der frühen Neuzeit – und nicht erst zu Zeiten des Webs 2.0 – hat es Diarien gegeben, die für andere Leser oder gar auf eine Veröffentlichung hin angelegt waren. Umgekehrt sind die Blogs, die mittlerweile allein in Deutschland von weit über einer Millionen Menschen gelesen werden, nicht nur auf Schlagworte wie Exhibitionismus oder Enthüllung zu reduzieren.

In der Ausstellung, die über 300 Tagebücher und Weblogs umfasst, werden papierene und digitale Tageschroniken erstmals gemeinsam gezeigt und diskutiert. Neben Zeitzeugnissen Unbekannter begegnen uns in den originalen Tagebuchdokumenten auch prominente Autorinnen und Autoren wie Thomas Mann, Clara Schumann, Johann Wolfgang von Goethe, Walter Kempowski, James Cook oder Wilhelm von Humboldt.

Ob privat oder öffentlich, ob auf Papier oder als Weblog – wer Tagebuch schreibt, ist nicht mehr allein mit sich und kommuniziert zugleich in einem ganz bestimmten Rhythmus. Diese prägende Kraft der Tagestaktung verleiht dem Tagebuch seine charakteristische Form.

Das könnte interessant sein! Am 19. März um 19:00 Uhr ist die Ausstellungseröffnung und ich werde hingehen und davon berichten. Ein Blog, passend zur Ausstellung, gibt es auch.

Ein erster Blick

erster-blick-poster.jpg 70 Jahre lang, war das nach Plänen von August Stüler zwischen 1843 und 1855 errichtete  Neue Museum, nicht zugänglich. Im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, erfolgte 1985 eine erste Notsicherung des Gebäudes. Die Bauarbeiten zur Wiederherstellung begannen 2003 und sind nun abgeschlossen. An diesem Wochenende hatten die Berliner zum ersten Mal die Gelegenheit, das restaurierte Gebäude in Augenschein zu nehmen. Wir gesellten uns unter die Schaulustigen, die in einer langen Schlange um Einlass begehrten. Ich, skeptisch ob des Anspruchs des Architekten David Chipperfield, das Gebäude in der Architektursprache unserer Zeit und mit behutsamer Konservierung der Spuren der Geschichte wieder erstehen zu lassen, wurde in Teilen eines Besseren belehrt! Gelungen ist die Restaurierung der noch vorhandenen Bausubstanz. Belässt man doch die Wandmalereien, die Kriegsschäden an Pfeilern und Säulen doch soweit, das man erahnen kann, wie prächtig einst dieser Bau gewirkt haben muss. Hätte man alles wieder hergestellt, befände man sich sicherlich in einer Art Disneyland. Die neuen Einbauten Chipperfields allerdings, sind stark gewöhnungsbedürftig! Das man das opulente Treppenhaus nicht wieder im alten Glanz aufgebaut ist verständlich, die Kosten wären exorbitant, dass man aber einen Raum wie ein gigantisches Pissoir gestaltet hat, ärgerte dann doch.

Berlin hat ein weiteres Museum auf der Museumsinsel von Weltgeltung zu bieten und ich bin gespannt auf den neuen Ansatz, den man im Haus dem Besucher bieten will, da es die Sammlungen des Ägyptischen Museums und der Papyrussammlung und des Museums für Vor- und Frühgeschichte aufnehmen wird: “…..dabei werden die Sammlungen nicht streng voneinander getrennt präsentiert. Hingegen gehen sie in einem neuartigen Ausstellungskonzept auf, bei dem sie nicht in Konkurrenz zueinander treten, sondern gemeinsam dem Besucher einen faszinierenden Blick in die Ursprünge der Menschheitsgeschichte bieten.” Wir dürfen gespannt sein!

Wenn Sie mal einen Blick hinein werfen wollen:


Mehr auch hier.

Rohrpost-Letzttag

Am Sonntag nutzten wir die wohl letzte Gelegenheit um im Haus des ehemaligen Haupttelegraphenamtes in der Oranienburger Straße die letzten Reste der Rohrpostanlage zu besichtigen. Der Verein Berliner Unterwelten e. V. bot dort bis Ende November 2008 Führungen an. Früh vor Ort umgingen wir die lange Schlange die sich bis 12:45 Uhr vor dem Eingang des Gebäudes angesammelt hatte. Der Andrang war groß, weiß man doch nicht, wann oder ob überhaupt die Anlage jemals wieder zu besichtigen ist. Der Gebäudekomplex ist an einen Investor verkauft worden der daraus, nun raten Sie mal, ein Luxushotel machen will. Ob also nach dem Umbau der Zutritt in die Kellerräume noch möglich sein wird, ist fraglich. Holger Happel, unser Guide für diese Führung, erklärte uns zu Beginn interessantes über das Gebäude und seine jeweiligen Nutzungen in der vergangenen Zeit. Dann ging es zu einer Dia-Show im Kellergebäude bei der die Funktion und Geschichte der Anlage erklärt wurde. Danach endlich die Rohrpostanlage, oder eher den Resten davon. Erstaunlich das dann doch noch so viel davon übrig ist nach all der Zeit.

Auf dem Höhepunkt des Rohrpost-Zeitalters, betrug die Länge des Netzes in Berlin fast 400 Kilometer! Noch heute werden bei Bauarbeiten, Teile der Leitungen gefunden. Weitere Informationen gibt es auch auf der Website der Berliner Unterwelten. Nach 90 Minuten war die interessante Führung vorbei und wir wärmten uns schnell in einem Restaurant wieder auf, denn in den Kellerräumen war es doch empfindlich kühl gewesen.

Hier ein kleiner Rundgang, wenn Sie einmal hinein schauen wollen:

Kunst vs. Klima

Allein der Anblick bringt mich nicht in Verzückung. Die Temporäre Kunsthalle Berlin ist ein profaner Rechteckbau, angestrichen mit blau-weißer Farbe. Wahnsinnig langweilige Architektur! Ja, Sie dürfen mich nun einen Kunstbanausen nennen! Mir hätte die Umsetzung des anderen Vorschlags besser gefallen aber von dem Rechteck-Klotz kann man sich nach zwei Jahren leichter wieder trennen als von einer mehr Aufsehen erregenden Architektur! Am Ende hätte es noch Probleme mit dem Schlossneubau gegeben, weil das Volk lieber seine hübsche Kunsthalle behalten will! Der Eintritt in den quaderförmigen Leichtbau ist definitiv mit 6 Euro zu hoch. Es lohnt sich allerdings, das an der Kasse ausliegende Gästebuch einmal durchzublättern! Ich umrunde das Gebäude und entdecke im hinteren Teil ein kleines Cafe das auch noch in dem Bau Unterschlupf gefunden hat. Es hat für seine rauchenden Gäste auf der Terrasse etwas aufgestellt, das ich Ihnen hier gerne einmal zeigen möchte:

Das geht natürlich gar nicht, liebe Kunsthallenbetreiber! Die Wärmeleistung strahlt geradezu in die Umwelt ab. Noch nicht ein mal ein Überbau, der die Wärme wenigstens etwas zurückhalten könnte, ist vorhanden! Eure Kunsthalle mag zwar temporär sein, das Klima das ihr mit diesen Heizpilzen belastet, bleibt dagegen dauerhaft geschädigt!

Er hat mir den ganzen Grunewald versaut

Das waren die verachtenden Worte des Katastrophen-Kaisers Wilhelm II (1859-1941) über die Kunst des Malers Walter Leistikow (1865-1908). Das Bürgertum scherte sich jedoch einen Dreck um des Kaisers Meinung und kaufte eifrig die Bilder des begabten Landschaftsmalers. Das kann man verstehen wenn man sich einige seiner Werke anschaut.

Im Bröhan-Museum läuft bereits seit einiger Zeit die Ausstellung “Stimmungslandschaften-Gemälde von Walter Leistikow (1865-1908)“. Wie ich mich heute, vor einem schönen Herbstspaziergang im in herbstlicher Pracht strahlendem Park des Charlottenburger Schlosses, selbst überzeugen konnte, ist dies eine beeindruckende Schau der Arbeiten von Leistikow! Sehr empfehlenswert!

Dauer

3. Oktober 2008 bis 11. Januar 2009

Öffnungszeiten

Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr und an allen Feiertagen
(24. und 31.12. geschlossen)

Verkehrsverbindungen

Bus: 109, 309, M45 (Haltestelle „Schloß Charlottenburg“)
U-Bahn: Richard-Wagner-Platz oder Sophie-Charlotte-Platz
S-Bahn: Westend

Eintrittspreise
8,- €, ermäßigt 5,- €

Dröge Materie

Also etwas mehr hatte ich schon erwartet bei der Ausstellung “Weltmaschine“. Vor der noch nicht eröffneten U-Bahnstation Bundestag der U55 geht es für Felix und mich in die Tiefe. Frau Ministerin Dr. Annette Schavan empfängt uns keck lächelnd auf einem Poster. Die Temperatur im Tunnel ist angenehm warm und in der Mitte der Station stehen interessante große Fotos vom LHC. Gleich zu Beginn ein Gerät das verdeutlichen soll, wie oft der Mensch täglich von Teilchen aus dem Weltall getroffen wird. Völlig ungefährlich, so der Text der Informationssäule, soll man seine Hand in das Gerät stecken, mutig wie ich bin, greife ich hinein. Es knistert und blitzt etwas. Beim herausziehen der Hand entdecke ich den Aufkleber unten am Objekt, dass Herzschrittmacherträger nicht zugreifen dürfen! Böse Falle für diese Menschen!

Es stehen einige Originalteile der verschiedenen Detektoren herum, auch einige Modelle, die leider recht lieblos gestaltet sind, erfreuen das Auge nicht wirklich. Viele Schautafeln mit Text versuchen das, was da am LHC eigentlich geschieht, einigermaßen verständlich zu erklären. Eine Plasma-Kugel die wie immer zum hin greifen animiert, ist dann auch schon das letzt “Highlight” dieser Ausstellung. Den Machern möchte ich zu rufen: Stellen Sie Kaffee-Maschinen auf damit man nicht einschläft. Physik kann man auch spannender präsentieren!

Also wenn Sie wirklich, wirklich nichts anderes zu tun haben und gerade am Bundestag herumstehen und es bitter kalt ist, dann schauen Sie doch mal dort unten vorbei.

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