Die Blume Europas

Der Bahnhof von Wroclaw Ich war dann mal weg. Ein Städtetrip mit Felix übers Wochenende war geplant und zwar nach Wroclaw, der polnischen Landeshauptstadt der Woiwodschaft Niederschlesien, dem ehemaligen Breslau.  Die Blume Europas hat sie ein Dichter des 17. Jahrhunderts genannt. Einziges Hindernis: Die Bahnfahrt. Fuhr man Mitte der dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts noch in zweieinhalb Stunden von Berlin nach Breslau, ist man heute stolze 6 Stunden unterwegs. Mit gefühlten 20 Stundenkilometern geht es ab der Grenze in Forst nach Breslau. Zwischenzeitlich nimmt der EC-Zug auch mal an Fahrt auf und zwar dort, wo mit EU-Mitteln die Strecke saniert wird. Man hatte also viel Zeit sich die Landschaft anzuschauen! In Breslau angekommen erblickten wir eine quirlige lebendige Stadt. Breslau ist in den vergangenen Jahren zur Metropole Niederschlesiens geworden – und zu einem der größten Industriezentren Polens. Wichtige Wirtschaftszweige sind die IT-Branche, der Fahrzeug- und Maschinenbau, die Elektro- und Lebensmittelindustrie.
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Unser schönes Hotel, eine alte Brauerei, lag äußerst zentral, nur 5 Minuten vom alten Stadtkern entfernt. Gleich am ersten Abend noch einen Stadtrundgang unternommen. Mir fiel die architektonische Stilmischung auf. Einige spätgotische mittelalterliche Häuser, viele Barock-Bauten aus der Zeit, in der Breslau zu Österreich gehörte, ebenso Gebäude aus der Zeit als die Stadt preußisch und Schlesien eine bedeutende preußische Provinz war. Einige Jugendstilbauten und vereinzelt der Beginn der Neuen Sachlichkeit sind zu finden. Als einen der schönsten Marktplätze die ich bisher sah, zählt der Rynek (Ring) auf dem eines der prächtigsten spätgotischen Rathäuser steht. Der quadratisch angelegte Rynek wird von ebenso prächtigen Patrizierhäuser gesäumt. Viele davon wieder originalgetreu aufgebaut, da Breslau 1944 zur Festung erklärt und fast völlig zerstört wurde. Am Ende des Zweiten Weltkrieges, 1945,  waren von 30.000 Häusern im Innenstadtbereich, 21.600 zerstört.

Am Samstag eine Fahrt mit der Straßenbahn zur Hala Stulecia, der Jahrhunderthalle. Seit 2006 gehört sie zum Weltkulturerbe, dazu mehr im nächsten Beitrag. Im Anschluss daran der Besuch im Breslauer Stadtmuseum. Das renovierte ehemalige preußische Königsschloss dient als städtisches Geschichtsmuseum. In der Dauerausstellung „1000 Jahre Breslau“ wird die Geschichte der viertgrößten Stadt Polens zum ersten Mal ohne Auslassungen präsentiert. Also auch der Teil, der Vertreibung der Deutschen aus der Stadt. Sinnbildlich mit einem mit Koffer bepackten Bollerwagen. Die Ausstellung ist sehenswert und auch auf Deutsch, Audioguide sowie die Anmerkungen an den Vitrinen.

Nach soviel Kultur knurrte der Magen und mein Vorschlag den Piwnica Świdnicka, den Schweidnitzer Keller unter dem historischen Rathaus auf zu suchen, wurde wohlwollend aufgenommen. Bei Rinderrouladen nach Schlesischer Art und leckerem Piast-Bier ließen wir es uns gut gehen. Dann ein wenig Ruhe im Hotel genossen um am Abend die wundervolle Stimmung am illuminierten Rynek zu genießen. Hier war extrem viel los, was auch darauf zurück zu führen war, das es mit 26 Grad am Abend noch sehr warm war.

Am Sonntag, gegen Mittag, zurück nach Berlin. Leider zog sich die Bummelstrecke jetzt gefühlt doppelt so lang hin! Ich kann Ihnen die ehrwürdige Stadt Wroclaw nur ans Herz legen. Eine Stadt mit viel Geschichte, vielen Umbrüchen und einer sicher erfolgreichen Zukunft.

Wenn Sie einmal hineinschauen wollen:

Kategorie(n): Antiteilchen empfiehlt, News, Unterwegs

2 Antworten auf Die Blume Europas

  1. Schöne Reiseimpressionen…

    antiteilchen sagt:

    Vielen Dank R|ob! Du bist ja auch wieder ganz schön rum gekommen :)

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