Der Bus

Gott Ich kam heute am Brandenburger Tor vorbei, wo wie immer ein Haufen Stadtrundfahrt Busse wartend herumstanden um Touristen durch die Stadt zu gondeln. Doch dazwischen zwei Busse, die meine Aufmerksamkeit erregten. Der erste Bus mit der Aufschrift “Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott” von der “Buskampagne” und direkt dahinter, ein zweiter Bus, mit der Aufschrift “Und wenn es ihn doch gibt…” von der “Gottkennen Kampagne“. Ich zückte meine Kamera, schoss mein Bild und der junge Mann, der auf dem Bild zu sehen ist und von der Fraktion der Gottglauber war, kam auf mich zu. Des Deutschen nur geringfügig mächtig, preiste er mir ein Flugblatt an. Ich erklärte ihm auf englisch, dass ich eher in den ersten Bus einsteigen würde, da ich Atheist sei. Mark, so stelle er sich mir vor, zeigte sich sehr interessiert. Erzählte mir gleich das er von der University of Notre Dame aus Indiana in den Vereinigten Staaten käme. Für 5 Wochen in Deutschland, hübsch untergebracht in einem Hostel in der Turmstraße. Flug, Unterkunft und Verpflegung seien bezahlt vom Verein “Campus für Christus”. Nach meinen Recherchen sind die in Deutschland laut Wikipedia schon mal negativ aufgefallen:

Die Campusgruppe Chemnitz wurde im Jahre 2005 kritisiert, weil sie an der Technischen Universität Chemnitz CDs verteilte, auf denen die Internetseite von Wüstenstrom folgendermaßen empfohlen wurde:

Hier findest du Beratung, Informationen, Hilfe bei sexuellen Fragen und Problemen: „Wüstenstrom“ ist auch spezialisiert auf Fragen bzgl. Homosexualität, Sexsucht etc.

Der Link führte auf eine Seite zu Problemen mit Missbrauch, Identität und Sucht. Von Pro Familia wurde zugleich abgeraten.

Die studentische Initiative Gaynial sah darin ein Angebot zur „Heilung [von] Homosexualität“. Die Herausgeber der CD distanzierten sich von dieser Interpretation. Der Konflikt wurde inzwischen beigelegt.

Auf den Seiten der Gaynial kann man mehr zum Thema lesen. Auch auf den Seiten von Steven Milverton kann man sich über Evangelikale informieren. Auf meine Frage, ob er mit dem Bus durch ganz Deutschland fahren würde und Station in den großen Städten mache, wie Köln oder München oder Hamburg, zeigte er ein erstauntes Gesicht. Er kannte keine dieser Städte. Munich? Cologne? Hamburg? Fehlanzeige. Nein, er sei nur in Berlin stationiert. Mir fielen gleich die Berichte aus den USA ein, wo die meisten Studenten angeblich nicht den blassesten Schimmer haben, wo fremde Länder und Städte liegen und ich hatte gerade einen dieser Kandidaten tatsächlich vor mir. Später lese ich auf den Seiten der beiden Kampagnen, dass es heute die Abschlussveranstaltung der Bustouren war. Die Gottglauber waren den Gottlosen eiligst in Deutschland hinterher gefahren!

Als er erneut versuchte mir Infomaterial in die Finger zu drücken suchte ich das Weite. Zeit, den Bus der Gottlosen zu besuchen, hatte ich nicht mehr.

Kategorie(n): Berlin, Berlin im Bild, Der Augenblick, News, Unterwegs, Zeitgeist

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