Fontanes “Effi Briest” in einer Neuverfilmung stand gestern auf meinem Berlinale Programm. Um 21:00 Uhr im riesigen Friedrichstadtpalast, der diesjährig zum ersten Mal als Filmsaal genutzt wird. Hermine Huntgeburth nimmt sich als erste Regisseurin dieses Stoffes an. Julia Jentsch spielt die Hauptrolle, an der sich schon Marianne Hoppe, Ruth Leuwerik, Angelica Domröse und Hanna Schygulla versuchten.
Es gab zwar einen roten Teppich, übrigens darf der Pöbel sowieso nicht über diesen Teppich laufen, nur war er ohne Glamour! Außer vielleicht das unser fleischgewordener Hosenanzug, Kanzlerin Merkel, uns mit ihrer Anwesenheit beglückte. Auch Kulturstaatssekretär Naumann gab sich die Ehre. Eine Reihe hinter mir brach eine Gruppe Senioren in verzückt schrillen Jubel aus, als die Kanzlerin begrüßt wurde! Albern! Grund der Anwesenheit von Merkel wohl ihr Interesse am Stoff und die Verleihung der Berlinale Kamera vor dem Film an den Produzenten Günter Rohrbach. Übrigens der Produzent, der Holocaust, die 4teilige US-Fernsehserie, damals ins deutsche Fernsehen brachte! Die Laudatio hielt der dreifach oscarnominierte Kameramann Michael Ballhaus.
Die gigantische Leinwand im Friedrichstadtpalast war hervorragend für diesen Film geeignet, sieht man doch viele Szenen vor der grandiosen Kulisse der rauhen Ostseeküste. Man atmet förmlich tief auf! Diese Weite! Im Sommer letzten Jahres waren wir zufällig an verschieden Schauplätzen die im Film zu sehen sind. Gedreht wurde am Strand und in den Dünen im polnischen Leba. Da der Saal im Friedrichstadtpalast konisch gebaut ist, ist das Sichtfeld für die Zuschauer rechts und links an der Wand doch sehr gewöhnungsbedürftig. Ich saß relativ in der Mitte und hatte zum Glück wunderbare Sicht!
Julia Jentsch spielt Effi Briest mit starker Präsenz. Sie verleiht der Figur viel Tiefe. Vor allem in den auch sehr intimen Momenten des Films, die doch schon sehr heiß waren und die ich mit unserer Kanzlerin sah! Sebastian Koch spielt Geert von Innstetten, der Ehemann von Effi, sehr kühl, was aber gut zum Charakter zu von Innstetten paßt. Mísel Maticevic spielt den Major von Crampas, Effis heimliche Liebschaft. Ein schneidiger Bursche der in seinen Stiefeln wirklich sehr lecker aussieht! Barbara Auer als gestrenge Johanna überzeugt und Rüdiger Vogler als Apotheker Gieshübler kommt mit angenehm leichten Homo-Tendenzen daher.
Die Ausstattung der Szenen ist mit viel Liebe fürs Detail gemacht. Es rauschen zwar die Ballkleider nicht wie bei der letzten opulenten Buddenbrocks Verfilmung, dafür sind die Drehorte, auch die Innenaufnahmen, wirklich sehr eindrücklich. Außerordentlich passend die hervorragende Musik von Johan Soederqvist! Leider konnte ich den Namen der kleinen Schauspielerin noch nicht in Erfahrung bringen die Annie spielt, die Tochter von Effi und Geert. Dieses kleine Mädchen hat auf der Leinwand eine unglaubliche Ausdruckskraft, so klein ihre Rolle auch war!
Es gab langen Applaus nach der Premiere, vor allem als Julia Jentsch die Bühne betrat. Effi Briest ist ein sehr unterhaltsamer Film mit einem anderen Ende als in der Romanvorlage! Ob das dem Film gut tut, möge jeder für sich entscheiden. Für mich ein gut gemachter Film den ich empfehlen kann! Ab 12. Februar im Kino.




Die Spannung steigt. Auf diesen Film freue ich mich schon, auch wenn ein “alternatives Ende” mir wohl weniger gefallen dürfte. Die Homo faber-Verfilmung hat mir deswegen schon missfallen.
Hast du Angie wenigstens Popcorn angeboten *g
@der toby
Ich verrate nix ;-)
@kalle
Es gab da kein Popcorn. Mir reichte schon das die Kameras alle nach oben zu uns schwenkten als die Senioren kreischten. Wie peinlich.
freue mich auch schon auf den film. hoffe der läuft auch in münchen.
Mit Sicherheit läuft der Film in München.