Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern

Von wegen! Ein außerordentlich interessantes Projekt ist mir heute zwischen die Finger gekommen. Zeitungszeugen. Der Verlag bringt Zeitungen aus den Jahren 1933 bis 1945 als Nachdruck auf den Markt. Jeweils drei Ausgaben. Selbstverständlich kommentiert! Ich habe mir die erste Ausgabe zugelegt und bin begeistert. Ich war des öfteren in der Zentral- und Landesbibliothek Berlin und habe mich dort an die Mikrofiche-Geräte gesetzt um verschiedene Zeitungen aus dieser Zeit, leider invertiert, zu lesen. Äußerst mühsam für die Augen! Ich wollte wissen, wie die Stimmung damals war, was konnten die Menschen aus den (noch) freien Zeitungen erfahren. Wie veränderten sich die Zeitungen unter den Nationalsozialisten. Um sie im Original zu lesen, müsste ich zum Westhafen, ins Zeitungsarchiv der Staatsbibliothek zu Berlin.

Kaum ist so ein innovatives Projekt auf dem Markt, zicken die Bayern rum! Angeblich seien Lizenzrechte verletzt worden! Einen so reichhaltigen Schatz an Informationen dem mündigen Bürger vor zu enthalten, ist schon eine Dreistigkeit! Ich wittere eher Bevormundung! Es sollte angenommen werden, dass der gemeine informierte Bundesbürger in der Lage ist, zu begreifen, das Zeitungen nach 1933 bis 1945 von der Propaganda durchzogen sind!

Wie liest man bei SPON: Der Historiker verteidigte das Projekt, auch NS-Zeitungen nachzudrucken: “Wahrscheinlich werden in einer Stunde Guido Knopp über die NS-Zeit im ZDF mehr Filmausschnitte aus dem Dritten Reich und Symbole frei Haus an ein Millionenpublikum gesendet als in einem historisch und fachlich begleiteten Faksimileprojekt.”

Ich hoffe das dieses Zeitungs-Projekt den vermutlich zu führenden Prozess gewinnt! Was den Missbrauch durch Rechtsextremisten angeht, dazu Professor Wolfgang Benz, Antisemitismusforscher – „Kulturzeit“ 3Sat/08.01.09: „Die „NPD“ ist nicht auf das historische Material angewiesen, sie will zum Teil auch gar nichts damit zu tun haben. Das ist den heutigen Neonazis, den Rechtsradikalen eher viel zu kompliziert, die arbeiten mit einfachen Parolen, die auf die heutigen Probleme besser passen.“ Klartext: Das Klientel der NPD und anderer rechstextremer Parteien ist viel zu doof um überhaupt den Text zu verstehen!

Kategorie(n): Fragen des Alltags, News, Politik, Zeitgeist, Zeitschriften

5 Antworten auf Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern

    antiteilchen sagt:

    @DINshredder
    Wobei der gemeine Franke auch so seine Probleme mit den Bayern hat Smilie: ;-)

    @Stefan
    Wie immer Stefan, sehr genau was die Fakten betrifft Smilie: ;-)! Die Zeit nach 1945 ist noch ein zu beackerndes Thema meinerseits! Ist mir doch bekannt, dass die Adenauer-Ära arg braunlastig war!

  1. Jenes fragliche Buch in Originalausgabe zu beschaffen, ist übrigen nur ein rechtliches, kein tatsächliches Problem.

    Tja, die Bayern (jedenfalls diejenigen, die dort Regierungsmitglieder darstellen) haben ein generelles Problem, sich der Geschichte zu stellen und die Ereignisse ‘von damals’ für uns heutige nachvollziehbar zu machen.

    Ach so: Auch nach 1945 sind Zeitungen reichlich von Propaganda durchzogen!

    DINshredder sagt:

    Kaspar Hauser machte, als er in Nürnberg zum ersten Mal auftauchte, einen etwas, äh, unbedarften Eindruck. Man schob das darauf, daß er seine Kindheit und Jugend abgesondert von der Welt in einem Kerker zugebracht hätte.
    Diese Kerker-Theorie kann man fallenlassen. Es reicht, im Freigehege Bayern großzuwerden.

    antiteilchen sagt:

    Wo doch bestimmte Bücher, eben ohne Kommentar, frei im Internet zu lesen sind! Davon abgesehen sind die Tagebücher vom Klumpfuß, längst wissenschaftlich aufgearbeitet und kommentiert publiziert! Warum man sich vor eben jenem diesem Buch ängstigt ist mir schleierhaft. 2015 läuft die Lizenz zum nicht drucken auch noch aus!

  2. die lizenzrechte, die bayern hier (nicht nur zeitungen, auch gewisse bücher) hat, und wie damit umgegangen wird, sind ein spannendes thema …

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