Ich hatte schlimmes befürchtet, schwirrten doch noch alte Reiseberichte, was die Straßenverhältnisse in Polen angeht, von Bekannten im meinem Kopf. Nichts von dem ist wahr. Mit unserem schwarzen Automobil brausten wir also entspannt Richtung Gdansk auf gut ausgebauten Straßen. Es scheint Pilzsaison zu sein, denn am Straßenrand saßen viele Menschen die neben Honig auch verschiedenartige Pilze feil boten. Natürlich in den nahe liegenden Wäldern selbst gesammelt. Im Stadtteil Oliwa von Gdansk bezogen wir dann ein Zimmer in der Willa Albatros. Hier machten wir dann die erste Erfahrung mit Bädern in polnischen Hotels. Winzige Waschbecken! Am Abend in der Nähe ein Restaurant besucht. Die etwas skurrile Bedienung schien unter dem Einfluss chemischer Substanzen zu stehen oder war, schwer Fassung wahrend, einfach betrunken. Verstört nahm sie unsere Bestellung auf. Die Frage ob sie der englischen Sprache mächtig sei, wurde bejaht. Kredenzt wurde dann allerdings die falsche Suppe und es fehlten komplette Beilagen auf dem Teller. Ein “yes” sowie “soup” und “thank you” waren die einzigen Worte die wir verstanden. Verstört verließen wir das Etablissement.
Gdansk ist eine schöne Stadt und sie war vor dem 2. Weltkrieg noch viel schöner. Das kann ich übrigens über alle Städte sagen die wir besuchten. Unermesslich neben großem menschlichem Leid auch der Verlust der architektonischen Einzigartigkeiten der Hansestädte an der polnischen Ostseeküste. Praktisch die gesamten Innenstädte waren zerstört. Einzig die Kirchen waren übrig geblieben und die hat man dann auch meist wieder aufgebaut. Was die Innenstädte an geht, bin ich im Zweifel. Die polnischen Restauratoren sind wirklich Meister ihres Fachs. Das was an alter Bausubstanz noch da war, hat man hervorragend restauriert! Man versucht aber bei Neubebauung den alten Charme wiederherzustellen, was stellenweise, wie in der Langgasse in Gdansk, wirklich gelingt, doch meist sah es für mich eher kulissenhaft aus. Dann doch lieber gleich moderne Architektur. Normalerweise finde ich Kirchen nicht sehr interessant. Zuviel Budenzauber! Allerdings die mächtige Marienkirche hat mich mit ihrer Schlichtheit tief beeindruckt! Sie kommt geradezu asketisch daher. Auf einer Hafenrundfahrt sahen wir dann auch die Danziger Werft und die Westerplatte. Hier begann der 2. Weltkrieg. Ein in den Boden gerammtes Schwert als Mahnmal beeindruckt an dieser Landspitze. In Zopot besuchten wir die Strandpromenade und staunten das man dort am Strand keine Masken tragen darf und Konfetti streng verboten ist.
Tags darauf eine wundervolle Reise auf die Halbinsel Hel unternommen. Stellenweise ist sie nur 200 Meter breit dafür aber 34 Kilometer lang und mit dem schönsten Strand gesegnet den ich auf dieser Reise zu Gesicht bekam! Ein herrlicher Tag.
Am Donnerstag dann die beeindruckende Marienburg in Malbork bestaunt. Mächtige Verwaltungsburg des Deutschen Ordens. Führung dauert drei Stunden, was uns zu lang war. Also auf eigene Faust das gewaltige Bauwerk erkundet. Millionen von roten Backsteinen sind hier verbaut und im Innern gibt es unzählige Räume und Treppen. Die Burg gehört seit 1998 zum Weltkulturerbe der UNESCO. Weiterfahrt nach Frombork, der Wirkungsstätte Nikolaus Kopernikus. Erstaunlich wie man an diesem Flecken Erde auf die Idee kommen kann das sich die Erde um die Sonne dreht! Vom Glockenturm einen prächtigen Blick über das Frische Haff. Dort geschah allerdings auch schreckliches. Tausende ostpreußische Flüchtlinge versuchten im 2. Weltkrieg vor den sowjetischen Truppen über das zugefrorene Haff zu entkommen. Viele erforen oder starben bei Luftangriffen. Weiterfahrt an die Grenze zur russischen Exklave Kaliningrad. Hier ist Schluss für uns, weiter kommen wir nicht denn für Kaliningrad bräuchten wir ein Visum. Am Abend Fahrt nach Elblag. Ehemals prächtige Hansestadt mit spärlichem Restbestand an alter Bausubstanz. Der Krieg hat auch hier ganze Arbeit geleistet. Mir wird es auf ewig unerklärlich bleiben wie man diesen schlecht frisierten österreichischen Postkartenmaler heute noch verehren kann, der soviel Leid soviel Zerstörung über die Welt gebracht hat. Hier in diesen Städten sieht man schmerzlich, was alles durch seinen Wahnsinn verloren gegangen ist.
Lange Fahrt nach Leba. Am Strand einkehr in das hübsche Hotel Neptun und am nächsten Tag den Nationalpark besucht. Im Park gibt es gigantisch hohe Dünen, teilweise 50 Meter hoch. Millionen Tonnen Sand begraben hier alles unter sich auf ihrem Weg ins Landesinnere. Wenn der Sand über Bäume Sträucher hinweg gezogen ist, gibt er die abgestorben Reste wieder frei. Äußerst Pittoresk! Herrlich weißer Sandstrand auf 60 Kilometer. Wir haben uns im Park Fahrräder geliehen. Man kann die 5,5 Kilometer bis zu den Dünen auch mit einer Elektrobahn zurücklegen oder zu Fuß laufen. Die geliehenen Räder waren allerdings fürchterlich, taten aber ihren Zweck.
Von Mielno war ich enttäuscht. Laut Reiseführer schickes altes Seebad. Viel Rummel und kleiner Strand. Unser Hotel war eine Schönheitsfarm. Sehr exclusiv! Allerdings vollgestopft mit grässlichen Reproduktionen alter Meister.
Für die Stadt Kolobrzeg gilt wieder das oben geschriebene. Völlig zerstört im Krieg, die Kirche und ein paar Gebäude blieben übrig. Der Rest versuchte Rekonstruktion. Schönen Promenadenspaziergang gemacht und dann weiterfahrt nach Szczecin.
Szczecin war einst Berlins Hafen. An der Hakenterasse kann man die einstige Größe und Herrlichkeit noch erkennen. Vom Schlossturm eine schöne Aussicht auf die Oder und die Stadt werfen können. Am Nachmittag wollten wir dann heim und machten uns auf den Weg nach Berlin.


Bild 17 “Der Sand schiebt sich immer weiter” ist einfach klasse!
Danke für den lebendigen Bericht!
Vielen Dank Traudl ;-)
hi georg!
schöne fotos,schöne gegent und schöner strand.
ich fahre in den herbstferien ans wattenmeer nach
cuxhafen.
Hallo Patrick!
Was für eine Freude das du hier einen Kommentar hinterlässt. Danke für dein Kompliment! Das werden bestimmt schöne Herbstferien für dich ;-)