Wenn man viel Zeit hat, kommt man auf dumme Gedanken. Eine Erkältung zwingt mich gerade mal wieder die Wohnung zu hüten, da kann man doch mal bei der WAst nachfragen, der Deutschen Dienststelle, wo sich eigentlich meine beiden Großväter im Krieg herum getrieben haben. Die WAst hat nämlich 18 Mio. Karteien von Teilnehmern des II. Weltkrieges. Bekannt ist bisher nur, das beide Großväter in russischer Gefangenschaft waren. Mehr nicht. Außer der einen oder anderen Anekdote. Darüber, was wirklich geschah, wurde nicht geredet, sagen meine Eltern. Eine Generation schwieg. Alle vier Großeltern sind bereits verstorben, mütterlicherseits leider schon in den Sechzigern, väterlicherseits in den Neunzigern. Väterlicherseits hatte ich ein angespanntes Verhältnis zu den Großeltern. Tiefer gehende Gespräche waren da nicht möglich. Die beiden Anträge sind gestellt und nun heißt es warten. Bis zu 6 Monaten kann eine Anfrage dauern und soll um die 20,- Euro pro Person kosten.
Wo ich schon dabei bin, in der Familiengeschichte zu wühlen, frage ich doch gleich beim BDC dem Berlin Document Center nach, ob es dort Hinweise über meine Großeltern gibt. Die haben nämlich die Zentrale Mitgliederkartei der NSDAP, das sind ca. 11 Mio. Karteien sowie Personalunterlagen von SS- und SA Angehörigen. Dort muss ich allerdings erst einmal nachweisen, ob es überhaupt meine Großeltern sind. Klar, sonst könnte ja jeder kommen und im fremden Familien schnüffeln. Nun warte ich auf die Fotokopien der Geburtsurkunden meiner Eltern. Wenn alles vorliegt kann ich zum BDC gehen und den Antrag stellen. Die Recherche dauert ca. vier Wochen und kostet 15,- Euro. Beide Dienststellen befinden sich übrigens in Berlin.
Ich habe mir das gut überlegt. Ob ich das auch alles wirklich wissen will. Ja, ich will! Wenn die Großeltern noch leben würden, würde ich sie fragen. Da aber niemand mehr da ist, bleibt mir nur dieser Weg um mir ein paar wichtige Fragen zu beantworten. Waren sie vielleicht in der Partei, oder noch schlimmer Angehöriger der einen oder anderen Gruppierungen, wo waren sie im Krieg und und vor allem, was waren sie im Krieg? Vielleicht gibt es aber auch gar nichts zu wissen, was z. B. Mitgliedschaften angeht. Möglich, dass die Großväter einfach nur am furchtbaren Krieg teilnehmen mussten, wie Millionen andere Männer auch.