Ne wat is dat schön
Kurze Zeit nach meinem Umzug in diese schöne Stadt sagte mir ein ebenfalls zugezogener Schwabe im perfekten Hochdeutsch, ich müsste mir ganz schnell in dieser Stadt meinen Dialekt abgewöhnen. Ich begriff nicht ganz, plötzlich immer gestelzt hochdeutsch reden, wo ich sonst privat quasele wie mir der Schnabel gewachsen ist? Nix da! Ja, ich komme vom Niederrhein, da spricht man rheinisch. Ich kann diesen Dialekt zwar auch ausschalten aber dort redet man eben so! Mein das hat ein t und mein G ist wie ein J, desweilen. Jut, ich jlaube sie wissen wat ich meine.
In der Zeit lese ich nun, das der Dialekt wieder auf dem Vormarsch ist. Galt er früher als bäuerlich, glaubt man heute sich damit vom Rest zu unterscheiden. Interessant, in einer Welt wo alles gleich zu werden scheint z.B. Einkaufshöllen, Wohnungseinrichtungen, Autos, Apple Design etc. will Mensch sich unterscheiden und das in Zukunft also über den Dialekt. Selbst die Werbung hat den Dialekt entdeckt.
Uns hat man noch in der Schule das Platt sprechen fast herausgeprügelt, heutzutage wird es an Schulen in Kursen wieder gelehrt. Ich finde es schön in einer Stadt wie Berlin viele verschiedene Dialekte zu hören. Das macht die Vielfalt dieser Stadt doch auch aus! Wie schön ist es einem Schwaben oder einem Sachsen am Nebentisch beim herzaften Plaudern zu lauschen und wie schön ist es für mich einen Niederrheiner zu treffen und beim erzählen ein wenig an die alte Heimat erinnert zu werden. Für mich ist Dialekt ein Ausdruck der Vielfalt in diesem Land. Wie steht es mit Euch. Redet ihr ständig hochdeutsch oder “verfallt” Ihr schon mal in alte Gewohnheiten? Ist Euch das peinlich?
am 23. Juni 2008 um 18:27 Uhr.
Ich bin in meinem Leben (29 Jahre) bislang 14 mal umgezogen. Irgendwann hab ich es aufgegeben die Dialekte vor Ort zu lernen und spreche halt nur noch Hochdeutsch…
am 23. Juni 2008 um 18:38 Uhr.
Ich komme aus dem Münsterland, und den ein oder anderen Ausdruck in “Platt” oder in “Masematte” wie jovel, schovel, plästern, meimeln oder Leeze bringe ich auch hier in Berlin gerne unter die Leute!
am 23. Juni 2008 um 19:01 Uhr.
ich finde, es sollte der eigene dialekt beibehalten werden..mache ich auch so wenn ich mal auf besuch in deutschland bin..ich kann natürlich nicht überall meinen schweizer dialekt sprechen ich schalte dann halt ins hochdeutsche aber auch da sind immer schweizer dialekt worte drinnen oder auch mal ein wort hamburger platt oder rheinisch weil ich da auch freunde habe und oft halt worte übernommen werden von mir!!
am 23. Juni 2008 um 20:54 Uhr.
Meine Eltern haben versucht, mich hochdeutsch zu erziehen (war damals empfohlen), sind aber immer schnell ins Plattdeutsche verfallen - zum Glück! Wirklich sprechen kann ich’s aber selten. Plattdeutsch ist eine eigene Sprache, die von kaum jemandem verstanden wird…
am 23. Juni 2008 um 21:45 Uhr.
Hier in Amiland sind die Dialektin eher Akzenten , ich war in Wyoming und Montana grossgezogen und musste Hier in Portland mein Wörte und Ausdrücken ändern. Wenn ich müde oder böse bin aber, kann es noch vor kommen. Oder wenn ich spreche mit meine Tante telefonisch, da kommt ja ein bisschen Heimweh vor.
am 23. Juni 2008 um 22:16 Uhr.
Ich verstehe Platt, spreche es aber eher selten. Am meisten entschlüpft meinem Munde eher so der typische Ruhrpott-Slang im Wechsel mit Hochdeutsch. Ich bin im Ruhrgebiet geboren, lebe derzeit dort und stehe dazu. Da ich allerdings auch viele Rheinländer (D-dorf und insbesondere Köln) kenne, verstehe ich das ganz gut, bediene mich allerdings nur in deren Gegenwart einiger rheinischer Vokabeln. Wie du schon schreibst, die Mischung machts! Im beruflichen Alltag herrscht dann allerdings das Hochdeutsche vor.
am 24. Juni 2008 um 08:38 Uhr.
Leider, leider entspricht es meiner Erfahrung, dass mit farbintensiverem Dialekt auch eine Degradierung des IQs einhergeht. Das mag zwar nicht allgemein gelten, aber fuer den sueddeutschen Raum eben doch.
Ich bin drum eben auch fuer Hochdeutsch. Nur mit Einfaerbungen kann ich noch Kompromisse schliessen.
am 24. Juni 2008 um 13:13 Uhr.
@MithrasX
Meine Güte, vierzehn mal umgezogen das ist ja wie vier mal ausgebombt!
@Ansgar
jovel, schovel, plästern, meimeln oder Leeze ? Klingt interessant
@Honigbaerli
Also der Schweizer Dialekt ist ja einer von den herzallerliebsten
@Clamix
Meine Mutter beginnt immer im feinsten hochdeutsch um dann im breitesten platt zu landen. Sehr sympathisch.
@Lars der Amiländer
Das habe ich mich sowieso schon gefragt ob es in Amiland Dialekte gibt.
@Magic M.
Der Ruhrpott-Slang hat ja so etwas gemütliches, finde ich
@Manniac
Ich denke im süddeutschen Raum können sie alles, außer Hochdeutsch?
Werbung lügt! Wer daraus schließt, jemand der Mundart spricht besäße einen niedrigeren IQ, meine Güte, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen!
am 4. Juli 2008 um 09:23 Uhr.
Kommen Schwaben nicht aus BW????
Da heißt es doch : “Wir können alles, außer hochdeutsch!”
Wie hat der Schwabe den du in Berlin getroffen hat hochdeutsch sprechen können?
Isch rede och kowelenzer Platt, on dat es och good su!
am 4. Juli 2008 um 17:54 Uhr.
Dieser Werbespruch ist übrigens vorher den Sachsen angeboten worden. Die haben aber dankend abgelehnt
am 5. Juli 2008 um 01:54 Uhr.
Als gebürtiger Frankfurter, der dort immer noch wohnt, fand ich Hessisch schon immer schrecklich und hab mich von klein auf bemüht, möglichst hochdeutsch zu reden. Ich war auch lange Zeit überzeugt, dies zu tun, nicht bedenkend, dass Worte wie “Kolter” (Decke) nicht zum allgemeinen Sprachgebrauch gehören oder die meisten Menschen “Büro” auf der zweiten Silbe betonen… Die Comedy-Welle mit den von mir hoch verehrten Badesalz und Mundstuhl hat mich dann etwas versöhnt, was sogar so weit ging, dass ich die Sachen von Moses P / Rödelheim Hartreim Projekt mag, weil er so schön hessisch rappt (”Höhä, schnellä unn weidä”).
Heutzutage finde ich Dialekte vor allem amüsant. Stimme Manniac aber insofern zu, dass ein wirklich krasser Dialekt, zu dessen Überwindung der / die Sprechende auch mit Anstrengung nicht in der Lage ist, für mich ebenfalls ein Merkmal mangelnder Intelligenz darstellt - ob das nun Dünkel sind oder nicht. So ein bisschen Einfärbung - schön. Wenn man aber die Hälfte des Gesagten als Nichtregionaler nicht versteht (und ich hab schon Pfälzer erlebt, gegen deren Aussprache mir Finnisch klarer verständlich erscheint), dann ist das ärgerlich und anstrengend.
am 20. Juli 2008 um 12:55 Uhr.
Manniac: “Leider, leider entspricht es meiner Erfahrung, dass mit farbintensiverem Dialekt auch eine Degradierung des IQs einhergeht. Das mag zwar nicht allgemein gelten, aber fuer den sueddeutschen Raum eben doch.”
Ich danke dir für die Aufgradierung meines IQ!
Endlich ein würdiger Ausgleich für meine Unfähigkeit, einen ordentlichen Dialekt zu sprechen.