In the Ghetto
Wie schaffen sich Homosexuelle ihr eigenes Ghetto? Genau so! Ich will in einem Hotel einchecken können ohne das mich jemand nach meiner sexuellen Identität fragt oder mich danach beurteilt! Ob nun Gay oder Hetero-friendly, solche Geschäftsideen laufen der Akzeptanz von Schwulen und Lesben völlig entgegen. So entstehen Parallelgesellschaften! Die Preise für eine Übernachtung sind ja wohl auch dreist! Meine Güte, ein Hotel wo nur Schwestern sind, nicht aus zu halten dieser Gedanke!
am 28. Februar 2008 um 21:24 Uhr.
lieber anti, die idee des hotels wurde eher schlecht vermittelt: das hotel ist mitnichten - oder war’s mitneffen? - eines, in dem nur “schwestern” (warum mag ich dieses ghettowort nicht?) einchecken. ich war gerade in der filiale in barcelona und fand’s sehr angenehm, obwohl da hauptsächlich die schwule hemdenfraktion eingecheckt hat. aber zumindest gab’s was zu gucken. und abends war ich allein mit dem vollmond im whirlpool auf der dachterrasse. letztes jahr war ich auf urlaub mit ‘ner freundin in einem “heterohotel” in absoluter (ländlicher) heteroumgebung. nach einer woche hatte ich das gefühl, ich wäre der einzige auf der welt: hotels, wo meist NUR heteros absteigen, gibt es seit ewigen zeiten. und auch immer noch welche, die über homopaare die nase oder sonst was rümpfen. also warum nicht welche besuchen, wo’s eine größere anzahl von homos gibt? liebe grüße aus dem heteroghetto
am 29. Februar 2008 um 08:24 Uhr.
Ich sehe das ähnlich. Mit einer Freundin, sie ist selbst Jüdin, habe ich das unlängst breit diskutiert. Eine Gettoisierung im Sinne Abschottung hilft niemanden. Selbstverständlich gibt es unter Homosexuellen - im erweiterenden Sinne alle von der sogenannten Norm abweichenden - das Bedürfnis eines Schutzraumes. Schließlich weiss ich nicht, inwiefern ein Mann, den ich in einer x-beliebigen Diskothek ansprechen würde, reagiert. Anderseits vereinfachen Minderheiten die Ignoranz ihnen gegenüber, wenn sie sich von ungewollten Konfrontationen fernhalten. Meine Erfahrungen in der Schul-AG, einer Initiative zur Aufklärungen von Schülern über homosexuelle Lebensweisen, dass bereits sehr junge Menschen manchmal der Ansicht sind, das im Privaten alles erlaubt, im Öffentlichen nur die Norm zu herrschen habe. Eine sehr konserverativ-bürgerliche Einstellung. Fazit: Verstecken in Schubladen und in privaten Extragehegen werden keine Veränderung in der Warnehmung der Gesellschaft herbeiführen. Im Gegenteil: Ich denke sie bedienen eher noch Klischees.
am 29. Februar 2008 um 10:18 Uhr.
hallo toby, ich gebe dir völlig damit recht, dass eine ghettoisierung niemandem hilft. aber anscheinend wurde hier immer noch nicht das angesprochene hotelkonzept verstanden: es ist absolut offen für ALLE, nur dass es eben (durch werbung und marketing) gezielt auch ein homopublikum anspricht. es bleibt also ein “gemischtes” hotel - bei der größe könnte es sich schon ökonomisch nicht leisten, nur schwule und lesben als gäste anzunehmen - mit dem unterschied, dass der anteil von homos größer ist, als anderswo. die parties und events, die dort im restaurant und der bar stattfinden, sind durchaus teil einer öffentlichkeit und kein ausdruck des privaten.
aber mir hat das hotel in barcelona einfach ganz gut gefallen.
ps.: langsam sollte ich ein pr-honorar erhalten
am 29. Februar 2008 um 13:05 Uhr.
Es gibt doch kleine Hotels für Gays, die wesentlich persönlicher sind, als eine Kette, die einheitsgestylte Zimmer zu saftigen Preisen für hippe Gays anbietet, die genauso auswechselbar sind wie solche Hotels.
am 29. Februar 2008 um 15:41 Uhr.
Wenn das Hotel offen für alle ist, warum muss es dann ein Homo-Hotel sein? Übernachten sollen dann dort (auch) Heteros die Schwule und Lesben akzeptieren? Das wäre ja dann nur eine Verdrehung der Sache! Ich persönlich brauche keine Regenbogenflagge am Eingang eines Hotels. Entweder man akzeptiert mich so wie ich bin oder ich bringe mein Geld woanders hin. Wirklich frech finde ich, das die meisten schwul geführten Hotels für ihre Bruchbuden überteuerte Preise nehmen nur weil man “unter sich” ist.
am 29. Februar 2008 um 16:43 Uhr.
ich bin für die verdrehung der sachen!
@ kalle: dass menschen “auswechselbar” werden, ist kein exklusives problem von “hippen gays”, sondern ein ganz allgemeines phänomen unserer konsumistischen marktgesellschaft, in der auch persönliche beziehungen nach ökonomischen prinzipien geführt werden, denke ich.
@ antiteilchen: woher weißt du VOR dem einchecken, dass du in einem hotel “akzeptiert” wirst? mir ist das eher egal, hauptsache, ich habe dort gut geschlafen und gegessen. ich war bisher erst in einigen schwul geführten hotels (du scheinst da ja mehr erlebnisse gehabt zu haben) und meine erfahrung war, dass sie preiswert waren, in dem sinne, dass sie für das verlangte geld auch die entsprechenden gegenleistungen erbracht haben. ob jedermann einen wellnessbereich, bar, frühstücksbüfett etc. benötigt, ist eine ganz andere diskussion aus dem geschmacksbereich.
“… und hast du sex im hotel, geht’s dir wieder gut …”
am 2. März 2008 um 09:53 Uhr.
Komische Einstellung..
Das Hotel ist ja nicht deshalb schwul, weil man damit die Akzeptanz von Schwulen in der Gesellschaft verbessern möchte oder aus anderen hehren Zielen. Die Idee ist, Schwulen, die unter Schwulen Urlaub machen wollen, genau das zu ermöglichen. Dass Du das unironisch “Ghetto” nennst, finde ich - ehrlich gesagt - etwas irritierend. Mit dem gleichen Argument kannst Du doch alle Interessensgruppen, seien es Senioren, Kinder, Camper, Abenteuerurlauber, Luxusfetischisten etc. abbügeln.
Mir wäre das Hotel mit 150-220 Euro natürlich auch viel zu teuer - verglichen mit anderen Hotelpreisen (die nicht in der “Budget”-Region liegen) ist das aber noch im Schnitt.
am 2. März 2008 um 14:10 Uhr.
Natürlich können Schwule in schwulen Hotels übernachten, wenn sie das wollen. Genauso Senioren in Senioren Hotels , Behinderte in Behinderten Hotels und Luxusfetischisten in Luxusfetischisten Hotels. Alle schön für sich.
Löblich das sich das neue Hotel auch für Heten öffnet! Ich bin aber der Meinung das solche Angebote nicht förderlich sind was die Akzeptanz betrifft. Vielleicht bin ich zu sehr Idealist, wenn ich mir vorstelle, das es schöner wäre, egal ob jemand schwarz oder weiß schwul oder hetero alt oder jung ist, überall so akzeptiert wird, das er/sie sich wohlfühlt. Wunschdenken, ich weiß, aber komische Einstellung…na ja!
am 3. März 2008 um 02:01 Uhr.
Was ich meine: Wieso sollte das Hotel denn irgendeine Auswirkung auf die Akzeptanz von Schwulen und Lesben haben? Das ist ja auch nicht das Ziel einer schwulen Discos oder eines schwulen Pfadfindercamps. Da wollen Schwule was mit Schwulen unternehmen: Kopulationanbahnung, darum geht’s doch!
(Insofern ist es also eigentlich egal, ob das Hotel auch für Heten geöffnet ist)
Oder findest Du den Wunsch nach Partnerschaft, Affäre oder Sex etwa verwerflich, nur weil er nicht geeignet ist, die Akzeptanz von Schwulen zu erhöhen?
am 6. März 2008 um 20:31 Uhr.
Ergibt sich die Ghetto-Bildung nicht eher aus den hohen Preisen? Es gibt viele Menschen, die sich einen mehrtägigen Aufenthalt in einem Hotel mit Übernachtungspreisen ab EUR 150 nicht leisten können, egal ob schwul oder nicht schwul. Das bedeutet auch, dass sich in diesem Hotel-Ghetto (wenn es denn eins sein wird) eher wohlhabende Schwule wiederfinden werden. Wie es auch generell so ist, dass sich eher wohlhabende Schwule in ‘Ghettos’ in Gestalt von bestimmten kostspieligen Freizeitangeboten zurückziehen können. Leider prägen gerade auch diese ‘Luxusghettos’ das Bild vom ’schwulen Leben’, während der über durchschnittliches oder unterdurchschnittliches Einkommen und Vermögen verfügende Schwule sich mit allgemein zugänglichen Freizeitangeboten zufrieden geben muss, aber gleichzeitig von der nicht schwulen Welt zu hören bekommt, es ging ihm finanziell ja so gut, weil keine Kinder… bla, bla, bla.
Mir wäre es viel lieber, es würden in den wichtigen Großstädten (also Köln und Hamburg,
) kostengünstige Übernachtungsmöglichkeiten für die Jungs und Männer vom Lande geschaffen, die sich sonst Ausflüge in die große weite Welt nicht leisten können.
Ein anderer Gesichtspunkt: Ich möchte, dass mein Geld, dass ich für Waren und Dienstleistungen (Hotel, Restaurant, Arzt, Rechtsanwalt,…) ausgebe, nicht in schwulenfeindlichen Händen landet. Deshalb ist es für mich durchaus interessant, zu wissen ob, der Geldempfänger etwas gegen Schwule hat oder nicht, ob er gay-friendly ist, oder gar selber schwul. Meine Kaufentscheidung wird dadurch beeinflußt.
Und, in der Hoffnung, nicht zu langweilen, vielleicht darf ich von einer Begebenheit in einem Londoner IBIS-Hotel erzählen: Mein Freund und ich hatte ein Zimmer reserviert. Als wir dort eintrafen, erklärte uns die Dame an der Rezeption, dass sie das Nichtraucherzimmer mit der Nr … in der soundsovielten Etage für uns vorbereitet hätte. Es hätte Dusche, Badewanne, Blick auf die Stadt und ein Doppelbett. Als ich, weil ich sehr stark erkältet war und meinen Freund in der Nacht nicht durch Husten, unruhigen Schlaf uä stören wollte, um ein Zimmer mit zwei Einzelbetten bat, war es der Dame sehr unangenehm, weil sie angenommen hatte, dass wir ein Paar seien, und das, obwohl wir nicht knutschend oder händchenhaltend an der Rezeption standen. Ich fand es sehr schön, dass es für sie vollkommen normal ist, dass es schwule Paare gibt, und es für sie eher die Ausnahme, als die Regel ist, dass zusammen reisende Männer nicht auch in einem Bett schlafen wollen. Ich konnte sie also beruhigen und ihr versichern, dass es nicht zu entschuldigen gab
am 8. März 2008 um 09:25 Uhr.
Und hier noch was zum Thema:
http://www.attitudehotels.com/Portals/0/Press/Launch_Press_Release_Deutsch.pdf
Vorsicht, Dekadenz hoch 3.
am 9. März 2008 um 11:18 Uhr.
Genau diesen Umgang wie in London, das wünsche ich mir.
Diese Pressemitteilung zur ITB liest sich schon klebrig. Gelacht habe ich bei “das authentische und natürliche Zusammenleben mit anderen.” Wer ist schon authentisch, gerade bei uns Schwulen!
am 9. März 2008 um 17:19 Uhr.
Allerdings! Und es freut mich, dass Sie wieder lachen können!