Es werde Licht
15 Uhr bei BESSY in Adlershof. Wir schließen uns im Vorraum einer Gruppe pickeliger Gymnasiasten an, die wohl wegen ihres Physik Leistungskurs da sind. Nach einem kleinen Vortrag nimmt uns Arne, unser Begleiter für heute, mit in die große ringförmige Halle, nicht ohne einem der Schüler noch vorher ein Dosimeter um den Hals zu hängen. Aha…hier gibt es also Strahlung! Am Eingang zur Halle dann noch ein mal der Hinweis „Zutritt nur mit Dosimeter“ Ich werde nervös. Bisher sei noch nie Strahlung ausgetreten, meint Arne und das Gerät wäre nun mal Pflicht. Dann der Moment als wir die Halle betreten. Erster Eindruck, es ist warm. Zweitens, es ist riesig. Drittens, überall Kabel Rohre Computer und dazwischen irgendwo auch ein paar Menschen. Ein doch geräuschvolles Summen liegt in der Luft. Jetzt wird die Anlage erklärt:
Das was BESSY herstellt ist eigentlich nur Licht. Aber ein ganz besonderes Licht. Eben die Synchrotronstrahlung. BESSY besteht aus zwei Ringen. Etwa 10 Milliarden Elektronen werden zuerst im kleinen 96 Meter Ring, dem Synchrotron, auf fast Lichtgeschwindigkeit mittels Magneten beschleunigt und wie sie da so im Kreise sausen werden sie beim erreichen der Endgeschwindigkeit in den Großen 240 Meter umfassenden Ring gespeist, in dem ein Vakuumrohr verläuft. Die Elektronen durchlaufen das ringförmige Vakuumrohr auch hier mit nahezu Lichtgeschwindigkeit mehrere Stunden lang, etwa 1 Million Mal in der Sekunde. Dabei legen sie mal flink die Strecke Erde – Pluto zurück. Auch hier stehen wieder starke Ablenkmagneten, damit alle hübsch im Kreis sausen. Und genau an diesen Magneten entsteht dann durch die Ablenkung die so begehrte Synchrotronstrahlung. Von dort geht das Licht, der feine Lichtstrahl ist millionenfach heller als ein feiner Strahl der Sonne, in Strahlrohre ab, an denen dann die Experimente angeschlossen sind. Etwa 50 an der Zahl. Etwa 1000 Wissenschaftler aus aller Welt arbeiten im Jahr an der Maschine. Kostet 75 Euro die Stunde, also für industrielle Forschung. Wissenschaftler dürfen umsonst. Vater Staat zahlt jährlich 23 Millionen Euro für BESSY. Und wofür das Ganze? Das würde wieder den Rahmen hier sprengen aber um nur eines zu nennen: Lithographie.
Wir laufen einmal im Kreis den Speicherring ab und zwar nicht auf der Empore oben sondern wir dürfen, ich werde noch nervöser, nach unten zu den Wissenschaftlern. Die gucken uns nicht an, nehmen uns zwar wahr aber ich habe eher das Gefühl sie wollen unter sich sein. Alles sehr sauber hier, ein paar sitzen an ihren Experimenten. Von hier aus gesehen passiert nicht viel aber in den einzelnen Experimenten wird fleißig geforscht. Am Ende des Rundgangs kann ich mich gar nicht aus der Halle verabschieden, könnte hier noch stundenlang rum wuseln, überall rein gucken und an den vielen Knöpfen drehen und den Wissenschaftlern Fragen über Fragen stellen. Die würden sich freuen! Im Vorraum dann von Arne noch einmal Grundlegendes an einem Modell erklärt bekommen und schwups waren wir wieder an der frischen Luft. Das Dosimeter hat übrigens nicht angeschlagen!
Der Artikel ist auch im Hauptstadtblog veröffentlicht.
am 1. Februar 2008 um 15:19 Uhr.
Hach, soviele Computer, Kabel, Knöpfchen, Hebelchen - das Ingeniörsherz geht mir auf! Danke für den informativen Bericht. Bessy steht nun auf meiner To-do-List.
am 1. Februar 2008 um 17:20 Uhr.
Ah auch ein Knöpfchen und Hebelchen Dreher
Eine Interessante Anlage. Kann ich empfehlen!
am 2. Februar 2008 um 13:39 Uhr.
Entwickelt sich das jetzt zu ‘nem HighTech-Blog hier?
am 2. Februar 2008 um 17:12 Uhr.
@ rene
lieber das als noch mehr von diesen schrecklichen “schwule wohnkultur”-offenbarungen
am 2. Februar 2008 um 20:26 Uhr.
In Zukunft kommt auch mal was wissenschaftliches hier vor
Na…lieber_kater die schwule wohnkultur ist hier im Blog ein Renner
am 3. Februar 2008 um 01:00 Uhr.
Schwule Wohnkultur zeigt das Dschungelcamp des Blogs, wo hingegen solche Berichte das Abenteuer Forschung beschreiben. Bitte mehr davon
am 4. Februar 2008 um 12:13 Uhr.
Danke schön - gerne mehr davon. Aber nicht zu Lasten der Wohnkultur