Freundlich sind sie, wirklich herzallerliebst, das Servicepersonal und die Aufseher des Märkischen Museums. Aber das Museum! Das soll ein Stadtmuseum sein? Allein schon der Bau. Der 1899-1908 durch den Stadtbaurat Ludwig Hoffmann errichtete Gebäudekomplex sieht von außen ja ganz ansehnlich aus. Aber von innen ein Sammelsurium an verschachtelten Räumen in dem man sich leicht verirrt. Dem ausgeschilderten Rundgang zu folgen, ähnelt einer Schnitzeljagd.
Mittwochs ist, zu meiner Überraschung, der Eintritt frei! Wetter durchwachsen, also rein in die Stadtgeschichte. Fotografieren ist übrigens nur dann erlaubt, wenn man einen Obolus von 2 Euro entrichtet. Ich ahne irgendwie, dass es keine guten Motive geben wird und unterstütze diese obskure Aktion also nicht! Anstatt den Rundgang mit der Frühgeschichte zu beginnen, fängt er mit Themenräumen an. Mir liegt strenge Geschichtserzählung einfach näher. Man verfällt der Art, hier und da mal reinzuschnuppern, aber alles bleibt irgendwie zusammenhanglos. Auf den Erklärungsschildern liegt dick der Staub. Ich erlaube mir, mit dem Finger „putzen“ drauf zu schreiben.
Alles wird nur angedeutet. Nichts geht in die Tiefe. Die Geschichte Berlins wird einfach nicht ersichtlich. Ist es dem verschachtelten Bau geschuldet oder hat hier einfach der Kurator versagt? Die Geschichte der Mietskasernen und Elendsviertel in der Zeit der Industriellen Revolution fehlt völlig. Jüdisches Leben bleibt in Berlin auf eine Familie im 19. Jahrhundert begrenzt. Erklärungen auf den großen Postern Deutsch und Englisch. Die Erklärungsschilder bleiben in trotzigem Deutsch. Kein Englisch, kein Französisch. Touristen aus fernen Ländern sind hier wohl nicht willkommen. Dies ist übrigens ein Problem vieler Museen in Berlin! Nach einer Stunde habe ich keine Lust mehr und verlasse verärgert den Bau. Die Geschichte der Stadt Berlin erfährt hier eine unwürdige Präsentation. Schade!


schade dass es dir nicht gefiel, ich finde das märkische museum immer wieder ganz interessant. klar ein wenig verstaubt, etwas missmutige bedienstete – aber interessant.
dass touristen (und auch sonstige besucher) mit nicht-deutschem sprachhintergrund scheinbar nicht willkommen sind, ist leider trauriger zustand in so manchem berliner museum und wahrlich nicht hauptstadtwürdig …
noch trauriger allerdings machten mich die beiden bären in dem kleinen zwinger davor …
lg ulli
Das Servicepersonal war tatsächlich total freundlich und gaben sich mächtig Mühe. Über die Bärenfolter habe ich ja schon hier berichtet:
http://antiteilchen.com/2006/09/26/baerenzwinger/