Die bizarre Welt der Puppensammlerinnen

PuppeDa hat sich doch der HSE 24 Sender ins Berliner DVB-T Netz geschlichen. Des Mittags zappe ich so durch die TV-Landschaft und bleibe bei der HSE 24 „Puppenstube“ hängen. Die etwas entrückte goldgelockte Barbara Steinberger (Abitur 1,0 studierte Jura und Medizin sowie Germanistik und Romanistik und verkauft jetzt Plastikpuppen im Fernsehen) bietet hier zum Teil, täuschend echt aussehende kitschige Puppen feil. Etwas infantil werden hier die Püppchen (manche gar mit Menschenhaar und bis zu 140 Euro teuer) anhand ihrer Bewegungsmöglichkeiten vorgestellt (auf TV Präsentation klicken). Frau Steinberger lässt sich gar zu der Frage herab, was dieses entzückende Stück Plastik wohl hinter ihrer Silikon-Vinyl Stirn so denkt?! Eine Zuschauerin wird per Telefon live in die Sendung geschaltet. Hörbar über 60 Jahre beschreibt sie eine Situation aus ihrem Leben mit den Puppen: Im Bus kam eine Frau auf mich zu um das „Baby“ zu sehen. Als sie näher kam, bemerkte sie das es eine Puppe war. Die sehen heutzutage ja so lebensecht aus!

Hallo, da fährt eine 60 jährige mit ihren Puppen Bus?! Kann sie ja wenn es ihr Spaß macht, nur denke ich mir, was ist das für eine Welt, diese Puppensammlerinnen Welt. Sind diese in Polyvinylchloridgepressten Puppen Kinderersatz? Beschäftigungstherapie? Was bringt erwachsene Frauen dazu, sich Pulks von Puppen anzuschaffen, sie wie echte Kinder auszustaffieren, daheim auf dem Sofa zu drapieren und sie zu vermenschlichen?

Grusel!

Photo: Photocase/kallejipp

Kategorie(n): Da hingehen wo es weh tut, Ich glotz TV, News

6 Antworten auf Die bizarre Welt der Puppensammlerinnen

  1. Viel gruseliger als Puppen, finde ich die neuen Heimrobotor, wie z.B. Paro (http://www.stern.de/computer-technik/technik/:Roboter-Therapie-Kann-Roboter-Menschen/523735.html), der zur Therapie eingesetzt wird…

    antiteilchen sagt:

    @Kalle
    Sätze wie “eine geringere Belastung für Familienangehörige und Pfleger” oder “Dann gibt es mehr ältere Menschen, als wir verkraften können” zeigen die Perversität die hinter diesen Überlegungen stecken!

  2. @Kalle
    Das ist nicht nur gruselig, sondern unmenschlich. Sony-Kunsthunde waren ja schon eine Zumutung aber Therapieroboter sind ein Armutszeugnis für das menschliche Umgehen miteinander…

    @antiteilchen
    Vielleicht fahren wir ja bald mit Püppchen, Kunsthunden zum Elektroarzt unseres Vertrauens – äh, ich meine unserer Vertrauensdatenbank

    Mademoiselle Nika sagt:

    Schöner Beitrag, erschreckend, aber irgendwo doch.. verständlich?

    Verfolgen wir doch einmal den Tagesablauf eines einsamens Großstadtmütterchens:

    ca. 8:00 ~ Aufstehen (Anm.: Meine Frau Großmutter steht schon um 6:00 uhr in der Früh auf, allerdings lebt sie auf dem Lande)
    ca 8:20 ~ Frühstgück vorbereiten
    ca 8:25 ~ Tee eingiessen
    ca 8:33 ~ Ein viertel vom belegten Brot ist vertilgt
    [Ich erlaube mir, die Kleinheiten zu überspringen]
    ca. 9:15 ~ Das Frühstück wurde beendet
    ca. 9:20 ~ Der Fernseher wird angeschaltet
    bis ca. 10:30 ~ ARD und ZDF manchmal auch QVC
    ca. 10:45 ~ Besuch der Toilette
    ca. 10:55 ~ Kleiner Einkauf in der Stadt
    ca. 11:45 ~ Rückenbeschwerden
    ca. 11:50 ~ Heimkehr
    ca. 12:00 ~ Vorbereitung des Mittagessens sowie das Speisen
    ca: 13:15 ~ QVC

    Nungut, ich möchte sie nicht weiter mit dem Tagesablauf mit einem Großstadtmütterchen langweilen, allerdings möchte ich ihnen hiermit zeigen, welch interessanten Tagesrythmus solch eine alte Frau, ohne Mann und mit viel zu beschäftigten Kindern, verbringt.

    Auch die Enkel können nicht immer zu ihrer Oma, sind es nun große Entfernungen, Schulgebundenheit oder einfach andere Aktivitäten.

    Fakt ist, dass eine alte Frau sehr einsam ist. (Man beachte mal die alten Damen, welche eine Tierhaarallergie haben! Dies begrüßt nur eine noch größere Einsamkeit).

    Ist da nicht eine alte Frau, die ihre “Dritten” im Wasserglas auf ihrem Nachttisch stehen hat, nicht gerade entzückt von einem rosigen Kindergesicht, welches mit glänzenden Äuglein, dessen Lider auf und zuklappen und die Wimpern meterlängen ganz ohne Mascara erreichen? Wekct es da nicht in so manch alter Witwe den Wunsch, solch ein “lebendiges” Kinderwesen bei sich zu haben? Es zu verhätschlen und zu pflegen? Wenn es das Alter noch erlaubt, vielleicht auch noch Kleidchen zu stricken?

    Und wenn die netten Herrschaften von dem lieben “Einkaufsfernsehen” diese Püppchen so süßlich loben, ihnen adrette viktorianische Kleider geben und entüzckende Namen, wie “Anabelle” oder “Leonard” verpassen, dann greift die alte Dame doch noch viel schneller an die Höhrmuschel, als sie es sonst tut.
    Schließlich hat die nette Frau vom Fernsehen doch immer recht. Sie benimmt sich höflich und lächelt stehts, deutet auf eine gute Seele und auf eine perfekte Erziehung…

    Was will man denn da noch mehr? Wenn einem nur noch wenige Jährchen übrig bleiben?
    Schließlich haben die Kinder auch ihre “unechten” Tiere, man denke an die Anfangszeit, die Epoche der Tamagotchis, elekrtonischer Tiere, die als keine Pixelhaufen in einem bunten Plastikei lebten, oder an die heutigen Robotiere, die den echten in deformierter Art und Weise doch verwunderlich gleichen, dagegen gab es keinen Aufstand von der Oma, nein, sie investierte vielleicht sogar einen Teil der Rente für so ein Spielzeug, oder kaufte es selbst für die lieben Enkel. Die Kinder freuten sich, sie hatten nun ein Tier. Ein unechtes, ein Produkt aus der Fabrik, und dennoch, die Kinder freuten sich.

    Hierbei möchte ich nun nicht gänzlich Partei für die “Puppensammerlinen” ergreifen, da ich selbst wohl eher als ein altes Weib mit einer Armee an Katzenkindern ende anstatt mit Puppen (welche ich zu Kinderzeiten nie gemocht habe und immernoch keine Sympathie dafür aufrbinge), doch ich möchte ihnen vielleicht nur ein Stück, ein Partikel, oder, wie es doch für diese Seite passender zu erwähnen ist, ein “Teilchen” von dem Verständis rüberbringen, welches ich in mir trage.

    Schrullige Menschen gibt es in jeder Form, jeder Farbe und in jedem Alter. Was soll ich mich denn gegen so ein Verhalten von dem Puppensammlerinen aussprechen, wenn sie mir damit nicht schaden?

    Einige von ihnen sind verrückt (wobei ich hierbei lieber “schrullig” sage) geworden, durch die Einsamkeit, andere missen ihre Kindheit und der kleine Defekt im Hirn lässt sie so handeln.

    So sprecht euch doch nicht derartig bitter über die älteren Damen aus, zeigt lieber der Produktion von schlechten Schulbüchern, welche immer mit “Tippfehlern” versehen sind, die rote Karte.

    Dies war ein Kommentar von Mademoiselle Nika

    PS: Wenn sie Rechtschreibfehler entdecken, sollten sie DUDEN für seine Fehler verklagen. Mademoiselle Nika macht keine Fehler.

  3. Ja, nee. Vor sowas habe ich Angst (vor der Blondgelockten, nicht vor der Omma).

    antiteilchen sagt:

    @Suse
    Ja stimmt. Die Oma ist nur verwirrt. Die Blonde macht das mit voller Absicht!

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