Im Reich des Bösen

KarteiDer DDR Putzmief hängt noch in den Linoleum Böden. Wir sind im Haus 7 des ehemaligen Zentralarchiv des MfS in Berlin-Lichtenberg und nehmen an einer Führung der BStU teil. Jeweils am ersten Dienstag im Monat, außer im Januar, werden für Besucherinnen und Besucher von 17 – 19 Uhr einzelne Kartei- und Magazinräume geöffnet. Unser Guide führt uns durch ein Labyrinth an Gängen und Aufzügen zu einem großen Raum in dem riesige Karteikarten Archivier Systeme stehen. Fast zwanzig dieser Maschinen stehen in diesem Raum und von diesen Räumen gibt es sieben, insgesamt gefüllt mit über fünf Millionen Karteikarten. Anhand dieser Karteien kann man auf die Akten zugreifen die hier ebenfalls gelagert sind und die eine beeindruckende Länge von 172 km erreichen. Wir sehen das Magazin der Akten. Die Räume sind saniert und den heutigen Brandschutzbestimmungen angepasst. Hier riecht es extrem staubig und nach altem Papier. Vorher waren die Räume mit Kupfer ausgeschlagen, da dort vor der Wende vorgesehen war, die elektronische Daten zu erfassen und die mussten vor außer und innerlicher Abstrahlung geschützt werden.

Unser Guide macht leider den Eindruck schlecht vor bereitet zu sein. Schaut ständig nach ob die Auskünfte auch stimmen, trotzdem kommt sie oft mit Zahlen durcheinander. Permanent ist auch das Wachpersonal anwesend. Hier wird klar wie brisant die Akten sind. Der kleine Einblick in dieses System der allumfassenden Überwachung des eigenen Volkes macht mir klar welcher geschichtliche Wert hier aufbewahrt wird. Das Stasi-Unterlagen-Gesetz regelt die Öffnung der Archive unter Wahrung des Datenschutzes. Es bildet die Rechtsgrundlage für die Aufbewahrung und Nutzung der Dokumente. Damit wurde juristisches Neuland betreten, denn nirgendwo je zuvor sind die Akten des Geheimdienstes einer Diktatur in solchem Ausmaß vor der Vernichtung bewahrt und vom Rechtsstaat offengelegt worden. Bisher haben 1,7 Millionen Menschen von diesem Angebot der Akteneinsicht Gebrauch gemacht.

Nach gut zwei Stunden sind wir wieder an der frischen Luft. Ich habe nur eine Ahnung von den perversen Machenschaften der Stasi bekommen, wie viele Schicksale, wie viele Geschichten, wie viele Leiden stecken in all diesen Millionen Unterlagen frage ich mich.

Aktenraum Akten

Kategorie(n): Berlin, Da hingehen wo es weh tut, News, Unterwegs, Zeitgeist

3 Antworten auf Im Reich des Bösen

  1. du machst mich wieder aufmerksam auf eine der adressen, die schon lange “auf dem radar” sind – aer zu denen ich’s noch nicht geschafft habe
    hab selbst mal (in kleinerem umfang) stasi-like erfahrungen in malaysia gemacht, das war schon alles andere als schön – umso bedrückender die umfassende volksbeobachtung der deustchen stasi-perfektionisten. me.e ein grund mehr, beim thema datenschutz auch hierzulande vorsichtig zu sein…
    lg ulli

    antiteilchen sagt:

    Nicht zuviel von der Adresse erwarten! Man ist flott durch und der Einblick ist wirklich klein. Für einen Einstieg ins Thema jedoch sehr hilfreich!

    Wenn ich den Datenschutzbeauftragten sehe….muss ich immer lachen.

  2. na … bei datenschutz muss man heutzutage leider häufiger lachen ;-)

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