Ein leeres Universum

Nichts20:00 Uhr. Aus dem Ruhrgebiet kommend liegt der Halt Hannover gerade hinter uns. Der ICE gleitet sanft über die Schienen daher. Ich weiss, jetzt kommt der schnellste Abschnitt der gesamten Strecke. Die Autostadt in Wolfsburg, nach Speer´scher Tradition beleuchteter Tempel und Weihestätte der Automobilen Gesellschaft, ist der letzte große Lichtblick und lässt das Wagonfenster, während wir daran vorbeisausen, als Bildrahmen erscheinen. In einer Stunde und vierzig Minuten bin ich in Berlin. Mit 250 km/h rast der Zug auf die wohl einsamste Strecke die ich kenne. Hinter Wolfsburg quasie gleich an der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt beginnt der Teil der Strecke den ich das “Nichts” nenne. Plötzlich taucht man ein in die Dunkelheit, die vorher noch durch Behausungen und kleine Bahnhöfe erleuchtet war. Keine Straßenlaternen keine Autos keine Häuser nirgendwo auch nur das kleinste Lichtlein zu sehen. Weil bedeckter Himmel ist, sieht man noch nicht einmal die Sterne. Man rauscht durch ein leeres Universum, denkt man kommt niemals an, verirrt sich in diesem “Nichts”.
Dann Erlösung. Durch die Lautsprecher knarzt die Stimme des Schaffners. “In Kürze erreichen wir Berlin-Spandau. Sie haben Anschluss…..” Doch wir sind noch in Brandenburg und noch immer keine Spur von Licht. Erst als wir die Landesgrenze zu Berlin erreichen, zeigen sich zaghaft die ersten schlanke Lichtmasten, dann Weihnachtsdekoleuchten, die Blinken als ob wir zur Landung ansetzen würden. Plötzlich Autos, Straßen und wieder Menschen. Das “Nichts” spuckt mich aus. Berlin. Zuhause!

Kategorie(n): Berlin, News, Unterwegs

2 Antworten auf Ein leeres Universum

  1. Nachhausekommen, ein wunderschönes Gefühl. Ging mir ebenso.

  2. Danke für den schönen und situativen Bericht.

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