Wir besuchten das Stasi-Gefängnis in Hohenschönhausen. Unser Guide begrüsste uns, sagte gleich, dass spektakuläre Ausstellungsstücke hier nicht zu sehen sind. Hier geht es um das Subtile, dass sich Vorstellen wie man Menschen, die sich in der ehemaligen DDR gegen den Staat richteten, sei es mit Gedankengut, Ausreisewillen oder die sich einfach nicht „anpassen“ wollen, physisch und vor allem psychisch gefoltert wurden. Ich sage bewusst gefoltert obwohl unser Guide, der selbst 5 Monate in Hohenschönhausen inhaftiert war, von Misshandlung sprach. Denn das was ich dort sah, was man den Häftlingen angetan hat, wie man versucht hat sie zu brechen, das war Folter!
Zuerst ging es ins sogenannte U-Boot, so genannt weil es fensterlose, bunkerartige Zellen sind, mit einem Eimer für die Notdurft, die im Keller des alten Hauptgebäudes liegen. Meist mit bis zu 10 Menschen belegt oder Einzelzellen die so klein sind, dass man sich beim schlafen nicht ausstrecken kann. Schon in der Nachkriegszeit folterten die Sowjets hier. Danach die Stasi. Die Verhöre fanden vor allem Nachts statt und waren oft von körperlicher Gewalt begleitet. Schlafentzug, stundenlanges Stehen im Wasser, meist mit nackten Füssen oder ganz nackt, so wurden die Gefangenen zu Geständnissen gezwungen. Diese Zellen wurden dann Ende der 50er Jahre aufgegeben, da ein Neubau entstanden war und man „bessere“ Methoden entwickelt hatte um von Menschen Geständnisse zu erzwingen.
Im Neubau dann Zellen mit Pritschen Stuhl Tisch Schränkchen Waschbecken Toilette. Hört sich human an, doch für solchen „Luxus“ mussten die Gefangen schlimmes erleiden. Sie durften nur auf dem Rücken schlafen mit gekreuzten Armen, drehte sie sich in der Nacht um, wurde sie sofort geweckt. In einer
Nacht bis zu 15-16 mal. Ständig wurde das Licht ein und wieder aus geschaltet. Sie wurden nicht mit dem Namen angeredet sondern nur mit ihrer Zellennummer, sie durften nicht lesen nicht umhergehen, sie mussten den ganzen Tag auf dem Stuhl sitzen und nichts tun. Niemand redete mit ihnen. Man holte sie zu Verhören ab, die in ihrer Art so menschenverachtend waren das mir auf dem Weg durch das Gefängnis und bei den Erklärungen fast übel wurde und ich am Ende des Rundgangs froh war wieder frische Luft atmen zu können und die Sonne wieder sah. Was dort geschah darf nicht vergessen werden.
Die Peiniger können heutzutage nicht belangt werden. Sie handelten nach den Gesetzen der ehemaligen DDR. Ich konnte es kaum fassen, dass dieses erst möglich wurde, weil es so im Einigungsvertrag steht. Ich empfehle jeden einmal diese zweistündige Führung mitzumachen. Man erfährt viel wie perfide die Stasi war, die sich Schild und Schwert der Partei nannte.
Gedenkstätte Hohenschönhausen
Genslerstraße 66
13055 Berlin
Öffentliche Führungen für Einzelbesucher: Montag bis Freitag, 11.00 und 13.00 Uhr Samstag und Sonntag, stündlich zwischen 10.00 und 16.00 Uhr
Eintritt: 3,00 Euro – Jeden Montag freien Entritt.